POLITIK
23/02/2016 18:22 CET | Aktualisiert 23/02/2016 21:29 CET

DIW-Umfrage: Davor haben die Deutschen wirklich Angst in der Flüchtlingskrise

dpa

Es geht alles seinen Gang in Deutschland. Wer erkältet ist, bekommt Medizin. Wenn der Wasserhahn tropft, kommt der Klempner und jeden Morgen liegt die Zeitung vor der Haustür. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass die große Mehrheit der Deutschen ein verhältnismäßig sorgenfreies Leben führt. Das sollte man zumindest meinen.

Denn in Wahrheit leben viele Bundesbürger in Angst.

Oder, wie es seit Monaten so schrecklich verharmlosend heißt: Sie sind besorgt. Der Grund sind, wie könnte es im Jahr 2016 anders sein, mal wieder die Flüchtlinge. Eine Mehrheit glaubt nämlich gerade, Deutschland werde "zu einem schlechteren Ort zum Leben". Das ist nicht etwa die Betreffzeile einer AfD-Pressemitteilung, sondern das Ergebnis einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

"Flüchtlinge untergraben das kulturelle Leben im Allgemeinen"

Demnach denken 57 Prozent der Deutschen, dass Flüchtlinge ihren Alltag negativ beeinflussen. Weitere 53 Prozent meinen zudem, dass das "kulturelle Leben im Allgemeinen durch Flüchtlinge untergraben" wird, berichtet die "Welt". Nur rund 30 Prozent der Befragten sind hingegen der Meinung, dass Flüchtlinge das kulturelle Leben in Deutschland bereichern.

Eine weitere Erkenntnis aus der DIW-Umfrage: Der Flüchtlingszustrom schadet nach Ansicht der Deutschen der Wirtschaft hierzulande eher, als dass er ihr nutzt. Fast die Hälfte der Befragten (47 Prozent) schätzt die Auswirkungen als überwiegend negativ ein. Nur etwa ein Drittel (34 Prozent) zeigte sich optimistisch.

Knapp jeder Dritte hat für Flüchtlinge gespendet

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Rund 30 Prozent der Deutschen haben im vergangenen Jahr Geld oder Sachen gespendet - jedoch wollen nur 26 Prozent auch in Zukunft auf diese Weise in der Flüchtlingskrise helfen.

Keine Frage, die Stimmung vieler Deutscher hat sich in den vergangenen Monaten gewandelt - und die Politik trägt eine Mitschuld, dass sich gerade ein gefährlicher neuer Nationalismus entwickelt.

Die Deutschen sind ein zutiefst verängstigtes Volk

2015 habe aus den Deutschen ein zutiefst verängstigtes Volk gemacht, sagte Ulrich Wagner, Professor für Sozialpsychologie an der Universität Marburg, Ende des vergangenen Jahres der HuffPost.

"Viele Deutsche sind seit diesem Jahr extrem unsicher. Sie erwarten von der Politik Antworten auf die großen Fragen, bekommen sie aber nicht", erklärte Wagner.

Mit Material von dpa

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