POLITIK
22/02/2016 15:23 CET

Wahlforscher erklärt den einen Grund, warum alte Parteien die AfD noch stärker machen

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Die AfD erlebt in der Flüchtlingskrise einen sagenhaften Aufschwung in den Wählerumfragen. In wenigen Wochen könnte sie bei den Landtagswahlen sogar in drei Landesparlamente einziehen. Eine Aussicht, die den alten Parteien beunruhigt: Mit der AfD möchte niemand koalieren, was eine Regierungsbildung deutlich erschwert.

Warum konnte die AfD so stark werden? Nach ein Einschätzung des Wahlforschers Matthias Jung haben die alten Parteien daran eine Mitschuld. "Die Ausgrenzung der Alternative für Deutschland ist ein Rohrkrepierer. Das bringt überhaupt nichts", sagte der Chef der Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen. "Polarisierung mobilisiert - und Mobilisierung ist das, was die AfD brauchen kann", erklärte Jung.

Nach seinem Eindruck schöpft die AfD ihr Potenzial "extrem gut" aus. "Sie ist sehr monothematisch und sehr klar, sie verwirrt die Leute nicht mit mehreren Themen. Die Strategie von Frau Petry ist also die richtige, um mit der Brechstange Wähler einzufangen", sagte der Demoskop mit Blick auf AfD-Chefin Frauke Petry.

"Das tut den großen Parteien weh"

Jung sagte, selbst beim Thema Flüchtlingspolitik halte "höchstens die Hälfte der Leute die AfD für die kompetenteste Partei". Ein Großteil der Wähler einer solchen Partei ziele auf einen klaren Effekt: "Das tut den großen Parteien weh, es erzeugt Aufmerksamkeit und Nachdruck, damit bestimmte Politikfelder anders geregelt werden sollen."

Jung erwartet in puncto AfD keine allzu großen Unterschiede zwischen Umfrage- und Wahlergebnissen: "Die Dunkelziffer, die wir sonst bei rechtsradikalen Parteien wie etwa der NPD einpreisen müssen, haben wir bisher nicht gehabt. Es gibt auch noch keine Stigmatisierung dieser Partei - und wir sehen auch keine unterentwickelte Bekenntnisbereitschaft ihrer Wähler."

"AfD betreibt Minderheitenmobilisierung"

Wenn andere Parteien nun mit Parolen punkten wollten, die sich kaum von denen der AfD unterschieden, bringe das nichts. "Das geht nur auf die Mühlen der AfD." Gerade die CSU "sollte diese Erfahrungen schon ein paar Mal gemacht haben, spätestens wenn sie sich ihren letzten Europa-Wahlkampf anschaut, als sie sich plötzlich als große Euro-Kritiker positionierte." Die AfD könne eine "Minderheitenmobilisierung" betreiben. "Aber die großen Parteien müssen ja immer 60 Prozent der Wähler zumindest im Blick haben."

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