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22/02/2016 17:42 CET

Diese Therapie könnte allen "unheilbaren" Krebspatienten Hoffnung schenken

Holly Anissa Photography via Getty Images
Diese Therapie könnte allen "unheilbaren" Krebspatienten Hoffnung schenken

Eine neue experimentelle Behandlung hat geschafft, was Chemotherapie und Knochenmarkstransplantationen nicht können: chronische, wiederkehrende Leukämie wirksam zu bekämpfen.

Darüber hinaus nutzt diese Behandlung die körpereigenen, natürlichen Abwehrsysteme, um die kanzerösen Wucherungen zu bekämpfen.

Die Behandlung verwendet T-Zellen, das sind Zellen unseres Immunsystems, die wie eine Art Sondereinsatzkommando gegen Eindringlinge funktionieren. Sie finden, umzingeln und zerstören Eindringlinge wie Bakterien oder Viren.

Bisher wuchsen Krebszellen zu schnell, um von T-Zellen effektiv angegriffen zu werden. Außerdem können Krebszellen die T-Zellen täuschen und sich als gesunde Körperzellen ausgeben, sodass sie nicht angegriffen werden und weiter wachsen können - bis die T-Zellen nichts mehr ausrichten können.

Aber in experimentellen Behandlungen im Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle zeigte sich nun, dass Dr. Stanley Riddel T-Zellen erfolgreich trainieren konnte, um Krebszellen schneller zu finden und zu bekämpfen. Und das innerhalb kürzester Zeit, sodass der Krebs zurückgeht.

Genauer gesagt hat er dem Patienten T-Zellen entnommen, um diese besonders sensibel für die Art von Krebszellen zu machen, die sich im Körper des Patienten ausbreiten. Damit konnte er den T-Zellen “die Erlaubnis geben”, das Wachstum dieser Krebszellen zu hemmen und dabei das gesunde Gewebe nicht anzugreifen.

Die Ergebnisse

Riddells Erkenntnisse in der T-Zellen-Therapie bei unheilbaren Krebspatienten haben beim jährlichen Treffen der American Association for the Advancement of Science in Washington, D.C. für Aufsehen gesorgt. Der Grund sind die unglaublichen Ergebnisse: 93 Prozent der 29 Teilnehmer des Experiments, die an chronischem oder wiederkehrendem Blutkrebs litten, konnten mit der T-Zellen-Therapie komplett geheilt werden.

Außerdem konnten 65 Prozent von 30 Probanten mit Non-Hodgkins-Lymphom geheilt werden. Es ist noch zu früh, die Ergebnisse einer kleinen Testgruppe mit 15 Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie bekanntzugeben, aber Riddell sagt, dass auch hier der Krebs “stark zurückgegangen” ist. Insgesamt hat Riddell 100 Patienten mit der T-Zellen-Therapie behandelt.

“Das waren alles Fälle, bei denen die konventionellen Therapien nicht angeschlagen haben und die sich nach der Chemotherapie wieder verschlimmerten. Viele von ihnen erlitten einen Rückfall nach einer Knochenmarksspende oder galten als nicht für eine Transplantation geeignet,” erklärte der Arzt gegenüber der Huffington Post. “Experimentelle Behandlungen bei Patienten durchzuführen, deren Krankheit so weit fortgeschritten ist und solche Ergebnisse zu erzielen, ist sehr beschwichtigend.”

Die T-Zellen-Therapie ist das Ergebnis einer 10-jährigen Kollaboration mit Dr. Michael Jensen vom Seattle Children’s Hospital, der laut Riddell im Moment experimentelle Behandlungen bei Kindern mit Leukämie durchführt und ähnliche Ergebnisse erzielt.

Der Effekt scheint langanhaltend zu sein und könnte ein Wegweiser für die künftige Krebstherapie sein - auch bei den häufigsten und schwer zu therapierenden Krebsarten wie Brust-, Darm- oder Lungenkrebs.

Wie es funktioniert

Riddell entzieht seinen Patienten Immunzellen aus einer einfachen Blutabnahme. Dann dauert es ein paar Wochen, um chimärische Antigenrezeptoren mit den T-Zellen zu verbinden, um ihnen zu helfen, bösartige Krebszellen im Körper zu identifizieren und zu zerstören.

Sobald die T-Zellen dem Patienten wieder eingesetzt werden, kann sich Riddell im Prinzip zurücklehnen und die T-Zellen die Arbeit machen lassen. Es dauerte durchschnittlich 30 bis 60 Tage bis die kanzerösen Wucherungen verschwunden waren, sagte er.

Riddell geht davon aus, dass die T-Zellen Therapie so gut angeschlagen hat, weil es sich bei den Behandelten um Formen von Blutkrebs handelte. Diese Krebsarten zeigen sich nicht in Form von Tumoren. Die Krebszellen sind bei Blutkrebs im gesamten Körper verteilt und an bestimmten Orten besonders konzentriert. Orte, an denen auch viele T-Zellen zu finden sind: Das Knochenmark, Blut, Lymphknoten und in der Milz.

Was kommt als nächstes?

Riddell hofft, dass sich die Methode durch weitere Forschung auch auf die häufigeren Krebsformen, wie Darm- oder Brustkrebs, anwenden lassen wird. Diese Krebsarten stellen eine besondere Schwierigkeit da, denn feste Tumore bilden ihre eigenen Mikroorganismen, können T-Zellen ausschalten und deren Funktion im Immunsystem unterdrücken.

“Wir werden lernen müssen, wie man die T-Zellen-Therapie mit anderen Formen der Immuntherapie kombinieren kann, damit sie auch gegen feste Tumore Wirkung zeigen und die abschottenden Eigenschaften der Tumore überwinden können,” sagte Riddell.

Während seine Studie sich in einem sehr frühen Stadium befindet und noch veröffentlicht werden muss, hofft er, dass die Technologie bereits innerhalb von zwei bis drei Jahren für die breite Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden kann.

“Das ist eine weitere Demonstration, dass das eigene Immunsystem im Kampf gegen den Krebs genutzt werden kann,” beendete Riddell seinen Vortrag. “Ich möchte nicht behaupten, dass diese Therapie auf alle Krebsarten bei allen Patienten anwendbar sein wird, aber ich glaube, dass die Möglichkeit besteht und dass die Forschungsrichtungen nun sehr richtungsweisend sind.”

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post USA und wurde von Franca Lavinia Meyerhöfer aus dem Englischen übersetzt.

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