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22/02/2016 12:27 CET | Aktualisiert 22/02/2016 21:48 CET

"Das Dorf des Schweigens": Wenn ein Familiengeheimnis gelüftet wird

ZDF/Jürgen Olczyk/dpa
Eva Perner (Petra Schmidt-Schaller, l) und ihrer Schwester Lydia (Ina Weisse, r) in das "Das Dorf des Schweigens"

Jede Familie hat ihre Geheimnisse. Das entdeckt auch Eva auf grausame Weise. Sie beginnt nachzuforschen. Aber ist die Wahrheit für jeden zumutbar? Darum dreht sich alles in dem Drama "Das Dorf des Schweigens" am Montag ab 20.15 Uhr im ZDF.

Die Geschichte, nimmt ihren Lauf, als Lydia (Ina Weisse) aus Amerika nach vielen Jahren zurück in ihre österreichische Heimatstadt Bad Gastein kommt. Dort wird sie aber nicht gerade mit offenen Armen empfangen:

Ihre Eltern Karin (Hildegard Schmahl) und Hans (Helmuth Lohner) zeigen sich mäßig überrascht, als sie mitten in ein Familien-Essen platzt. Ihr Bruder Max (Hary Prinz) leitet das Hotel, in dem sich alle treffen, und reagiert eher nüchtern. Am nettesten ist noch ihre Halbschwester Eva (Petra Schmidt-Schaller), die kurz vor der Hochzeit mit ihrem Freund Christian (Simon Schwarz) steht.

Lydia behauptet sogleich, dass sie vor 30 Jahren von Christian vergewaltigt worden sei - mit gerade mal 14 Jahren. Er ist Lehrer und muss fortan feststellen, dass sich Gerüchte rasch verselbstständigen. Auch reagieren die Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung anders, als er es sich erhofft hat: Ablehnung und Verleumdungen stehen nun auf der Tagesordnung.

Nach Christians Tod beginnt Eva nachzuforschen

Alsbald wird Christians Leiche aus dem Flussbett geborgen, das sich mitten durch den Ort zieht. Die Polizist Fritz Stadler (Karl Fischer) - ein Freund der Familie - geht von Selbstmord aus und will den Fall zu den Akten legen.

Eva glaubt jedoch, dass Lydia ihren zukünftigen Mann in den Tod getrieben hat und beginnt, die Familiengeschichte zu durchleuchten. So findet sie heraus, dass Lydia einst schwanger war, angeblich eine Totgeburt erlitten hat und alle davon wussten - nur sie selbst nicht.

Das ist harter Tobak. Eva ist von allerlei Ängsten getrieben und meint von sich, dass sie nicht sie selbst, sondern eine andere sei. Die Mutter ist sichtlich verwirrt und behauptet, dass sie so vieles falsch gemacht hat mit der Erziehung ihrer Kinder.

Und Lydia schließlich leidet unter Schizophrenie und hat in der Pubertät versucht, sich umzubringen. Dergleichen hat man schon in ähnlichen Filmen ("Am Ende des Schweigens", "Im Tal des Schweigens") gesehen, doch ist die Dramatik des Zerfalls einer Familie in "Das Dorf des Schweigens" deutlich höher.

"Das Dorf des Schweigens" wurde dramatisch inszeniert

Die Kamera (Bella Halben) zeigt gerne Kino-Aufnahmen von oben, Nebelschwaden durchziehen die pittoreske Landschaft, Autos fahren in Tunnels hinein (kommen aber nicht mehr heraus). Das sind schöne Metaphern, und dazu passt die Musik (Alex Kornlew), die des öfteren dramatische Klänge annimmt.

Martin Ambrosch ("Spuren des Bösen", "Das finstere Tal") liefert mit seinem Drehbuch die Vorlage für einen dichten Film, der ganz nah an seinen Figuren bleibt.

Regisseur Hans Steinbichler ("Hierankl, "Winterreise") ist selbst in den Alpen aufgewachsen und zeigt Bilder in allerlei Abgründe, vor allem in menschliche. Es geht um aufgebaute Lebenslügen, die Zerstörung vermeintlich heiler Welten und darum, wie viel Wahrheit ein Mensch auszuhalten vermag.

Lydia und Eva stehen im Zentrum der unseligen Melange aus Schweigen und Nichtwissenwollen. Sie müssen sich am Ende dieser Abrechnung einer ungeheuerlichen Wahrheit stellen, samt ihrer dramatischen Wucht.

Ist das ZDF-Drama sehenswert?

Der Film hat einen missverständlichen Titel (es ist weder ein Dorf, und geredet wird auch einiges), bietet aber gutes Schauspiel: Petra Schmidt-Schaller spielt am Überzeugendsten, während Ina Weisse einmal mehr mit kühler Wortkargheit auffällt.

Es ist der letzte Film mit dem Schauspieler und Regisseur Helmuth Lohner, der am 23. Juni 2015 mit 82 Jahren starb. Er spielt den schon ziemlich gebrechlich wirkenden Familienpatriarchen, der den Zerfall seiner Familie nicht aufzuhalten vermag, mit großer Würde und Präzision. Auch und gerade deshalb lohnt es sich, einzuschalten.

"Das Dorf des Schweigens" am Montag ab 20.15 Uhr im ZDF

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