POLITIK
22/02/2016 07:18 CET | Aktualisiert 22/02/2016 07:21 CET

Top-Ökonom: Deutschland ist auf dem Weg in die Zwei-Klassen-Bildung

dpa

Der Ökonom Clemens Fuest fürchtet, dass die Flüchtlingskrise in Deutschland zu einer Zwei-Klassen-Bildung führt. "Wir müssen aufpassen, dass wir unsere bewährten Ausbildungssysteme nicht mit einer Ausbildung Light unterminieren", sagte Fuest der "Welt".

Einige Politiker fordern aber, die Standards zu senken, um die für die Neuankömmlinge so schnell wie möglich Schul- und Ausbildungsplätze zu schaffen. Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen halten sie dieses Vorgehen für pragmatisch.

Fuest sieht trotz dieser Gefahr in den Flüchtlingen eine Chance. Deutschland brauche Zuwanderung, sagte er. "Jeder, der qualifiziert ist, jeder, der einen Ausbildungsplatz annimmt und behält, jeder, der in der Schule Fortschritte macht, sollte das Angebot erhalten, hier zu bleiben, selbst wenn er kein Asylrecht bekommt."

Dort, wo das Potenzial da sei, müsse es genutzt werden. Der Wissenschaftler, der in diesem Jahr Hans-Werner Sinn als Ifo-Chef ablösen soll, warnt aber vor überzogenen Erwartungen. „Wir dürfen uns keine Illusionen machen, dass daraus massenhaft hochqualifizierte Leute entstehen.“ Auch andere Ökonomen haben zuletzt davor gewarnt, dass die meisten Flüchtlinge, die kommen, keine ausreichende Ausbildung haben. Fuest sagt, "dass die Inländer von diesem Zustrom nicht profitieren".

Fuest spricht sich auch deshalb dafür aus, die Zuwanderung stärker zu kontrollieren. "Auf Dauer kann man entweder einen Sozialstaat haben oder ungesteuerte Zuwanderung, mit Sicherheit aber nicht beides", sagte er. "Da kommen Leute, die nicht mehr in die öffentlichen Kassen einzahlen werden, als sie herausbekommen. Daraus folgt, dass die Inländer von diesem Zustrom nicht profitieren."

Fuest fordert daher, die Bundesregierung solle eine Gruppe von Ländern zusammenzubringen, die bereit sei, die Außengrenzen stärker zu überwachen. Sonderlich wahrscheinlich ist das derzeit aber nicht. Denn Kanzlerin Angela Merkel ist in Europa derzeit isoliert.

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