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20/02/2016 13:20 CET | Aktualisiert 21/02/2016 01:38 CET

Einkaufen ohne Müll: München hat jetzt einen verpackungsfreien Supermarkt

Hannah Sartin und Carlo Krauß aus München haben ihre ganz eigene Lebensphilosophie. Seit 2014 leben die Eltern zweier Töchter nach dem "Zero Waste"-Prinzip - sie produzieren so wenig Müll wie möglich. Und genau das ist auch die Idee hinter ihrem Projekt, das sie im März letzten Jahres ins Leben gerufen haben.

Ohne - so heißt der erste verpackungsfreie Supermarkt in München. Was es in Kanada schon seit den Achtziger Jahren gibt, ist in Deutschland erstmals 2014 in Kiel möglich geworden: Einkaufen ohne Plastik und Verpackungen. Auch in Berlin und Bonn gibt es die umweltfreundlichen Läden bereits. Im Interview mit der Huffington Post verrät Hannah, wie sie nun auch die Münchner mit ihrem Lebensmotto anstecken will.

Am 20.3.2015 starteten die beiden eine Crowdfunding-Kampagne, mit dem Ziel, ein Startkapital von 43.000 Euro zu bekommen. Verbreitet haben Carlo und Hannah die Aktion nicht nur über ihre Freundes- und Familienkreise, sondern hauptsächlich auch über soziale Netzwerke. Mit einem selber gemachten Video stellen sie sich und ihr Projekt vor.


Nach nur drei Monaten hatten 956 Menschen aus allen unterschiedlichen Schichten und Altersgruppen insgesamt über 48.000 Euro gespendet. Der Grundstein für ihren Laden war gesetzt.

Nun ist ihr Traum Wirklichkeit geworden: Auf einer 80 Quadratmeter großen Fläche im beliebten Univiertel eröffnen Carlo und Hannah am heutigen Samstag ihren Supermarkt. Funktionieren soll das Ganze so: Entweder man bringt selbst Stofftaschen, Einweckgläser, Glasflaschen oder Dosen mit (die natürlich möglichst keine Tupperdosen aus Plastik sein sollten) und befüllt diese dann mit Lebensmitteln.

"Erst wiegt man sein eigenes Behältnis ab, das man befüllen will. Am Ende wird das Ganze bei uns an der Kasse noch einmal gewogen und wir ziehen das Gewicht des Behältnisses ab. Und dann geht man ohne Müll produziert zu haben, nach Hause", erklärt Hannah mit einem stolzen Lächeln, nachdem sie uns gezeigt hat, wie man aus den aus sogenannten Bulk Bars seine Lebensmittel abfüllt.

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Hannah zeigt uns, wie das Abfüllen und Abwiegen funktioniert.


Die transparenten Lebensmittelspender sind mit Nudeln, Müsli oder Getreide gefüllt. Auch frisches Bio-Brot, Seife, Waschmittel und krummes Gemüse und Obst können Kunden im verpackungsfreien Supermarkt kaufen.

Wer keine eigenen Behältnisse hat, kann sie sich im Laden ausleihen oder kaufen. Biologische Stoffbeutel und zu 100 Prozent recycelbares Einwickelpapier, Gläser oder Dosen. Ein ganz besonderes biologisches Verpackungsaccessoire ist das bee Wrap, das aus Bienenwachs, Baumwolle und Jojoba-Öl hergestellt ist und nach dem Benutzen einfach gewaschen werden kann.

Das Zero-Waste-Prinzip soll der Umwelt zugute kommen. Die Produkte im Laden von Hannah und Carlo sind deswegen zum Großteil regional und rein biologisch. "Die vegane Schokolade kommt zum Beispiel aus einer Schokoladenmanufaktur in der Nähe von München", sagt Hannah.

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Die transparenten Lebensmittelspender sind mit Nudeln, Müsli oder Getreide gefüllt.


Auch die Milchprodukte sind von Bio-Bauern aus der Umgebung. Hannah und Carlo sind Vegetarier. Deshalb haben sie sich entschlossen, in ihrem Supermarkt kein Fleisch zu verkaufen. In der rechten Ecke des Ladens ist ein kleines Bistro, in dem es Kaffee und Kuchen gibt. Denn Hannah will ihren Kunden nicht nur Lebensmittel verkaufen, sondern ihnen in Workshops und Lesungen auch zeigen, wie ein Leben ohne Verpackungen funktioniert.

Hannah betreibt schon seit einigen Jahren ihren eigenen Blog, auf dem sie ihr Leben mit "Zero Waste" vorstellt. Nachdem sie 2014 das Buch von Bea Johnson "Zero Waste Home" gelesen hatte, stellte die kleine Familie auch komplett auf ein verpackungsfreies Leben um, erzählt Hannah.

"Der einzige Müll, den wir produzieren, ist Kompost, aber das betrachten wir nicht als Müll. Das einzige, was wirklich noch anfällt, sind Medikamentenverpackungen. Bislang haben wir tatsächlich auf alles, was nicht ohne Verpackungen zu haben war, verzichtet. Also Süßigkeiten zum Beispiel."

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Auch Seife können Kunden im Ohne Supermarkt abfüllen, ohne dass dabei Plastik-Müll entsteht.


Die Kinder der beiden beteiligen sich bereitwillig am Lebensstil der Eltern. "Unsere Ältere ist fast schon ein bisschen radikal, was das Müllvermeiden angeht. Sie hat ein Müllglas, in dem sie dann den Müll sammelt, der anfällt, wenn ihr ihre Oma mal ein Eis kauft zum Beispiel. Die Verpackung nimmt sie dann mit nach Hause und sammelt sie in dem Glas."

Wer selbst vorbeischauen möchte, kann den Ohne Supermarkt ab dem heutigen Tag in der Schellingstraße 42 in München besuchen. Zur Eröffnung gibt es Frei-Limonade für alle.

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