POLITIK
20/02/2016 10:41 CET

"Dschungel von Calais": Virgin-Gründer Branson lobt Unternehmergeist im französischen Flüchtlingslager

dpa
Ein Flüchtling steht vor einem provisorischen Geschäft, das Asylbewerber im "Dschungel" von Calais errichtet haben (Archivbild)

Richard Branson hat den Bewohnern des sogenannten „Dschungel-Flüchtlingslagers“ in Calais seine Hochachtung für ihren Unternehmergeist ausgesprochen. Dabei bezog er sich auf die ungewöhnlichen Innovationen des Lagers, durch die Leben gerettet und die Missstände im Lager verbessert werden können.

Der Chef der Fluglinie Virgin berichtete, dass einige der Flüchtlinge Schritte unternommen hätten, um das Elend in dem französischen Lager zu verringern, in dem derzeit Tausende Menschen nach ihrer Flucht vor Krieg, Armut und Verfolgung leben.

Er sagte, dass er „schockiert“ gewesen sei, als er hörte, dass der Südteil des Lagers abgerissen werden soll und dass dadurch um die 3000 Menschen obdachlos werden könnten.

Zu den von ihm gelobten Innovationen gehören unter anderem eigens errichtet Geschäfte, ein juristisches Zentrum, das Unterstützung bei Asylanträgen bietet, und Räder mit Dynamo, mit denen Handys aufgeladen werden können.

Sie versuchen mit wenigen Mitteln anderen zu helfen

Auf der Website von Virgin schreibt Branson: "Mit den wenigen Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, versuchen sie auch noch, anderen zu helfen. Besonders berührt hat mich die Geschichte des syrischen Flüchtlings Omar, der sein Handy dafür benutzt, um das Leben von Flüchtlingen auf ihrer Reise durch die Ägäis zu retten."

„In seiner WhatsApp-Gruppe sendet er Wetterberichte an Flüchtlinge, die sich gerade auf der Überfahrt befinden, und sie übermitteln ihm ihre GPS-Koordinaten. Wenn er den Kontakt zu ihnen verliert, ruft er die Küstenwache an.“

Mit Hilfe des juristischen Zentrums konnte vergangenen Monat ein erster Präzedenzfall gewonnen werden. Vier junge Flüchtlinge erhielten die Berechtigung zur Familienzusammenführung mit ihren Verwandten in Großbritannien.

Manchmal fällt es schwer, positiv gestimmt zu bleiben

Der Südteil des Lagers soll am Montag abgerissen werden. Unter den vielen Menschen, die dadurch ihre Unterkunft verlieren würden, befinden sich auch hunderte unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Zusammen mit über 100 weiteren Prominenten, darunter die Schauspieler Benedict Cumberbatch und Helena Bonham Carter, unterzeichnete Branson einen offenen Brief, der den britischen Premierminister David Cameron dazu auffordert, die Flüchtlinge nach Großbritannien einreisen zu lassen.

Branson schrieb: „Manchmal fällt es schwer, positiv gestimmt zu bleiben, wenn so viele Menschen auf der ganzen Welt in Not sind. Doch wir dürfen trotzdem nicht aufhören, mit all unserer Kraft für sie und gegen Unmenschlichkeit und Ungerechtigkeit kämpfen.“

Wie er berichtete, hatten freiwillige Helfer die Unterkünfte von 1300 Menschen, die in genau dem Gebiet wohnen, das planiert werden soll, verlegt, nachdem Behörden einen Abstand von 100 Metern zwischen dem Lager und der Autobahn gefordert hatten.

Viele wollen in der Nähe des Hafens bleiben

„Die französischen Behörden wollen, dass die Flüchtlinge ihre Unterkünfte verlassen und in das neue Schiffscontainerlager in Calais umziehen. Das Lager bietet zwar eigentlich Platz für 1.500 Menschen, doch momentan sind dort nur noch 450 Plätze frei“, schreibt er.

„Alternativ könnten die Flüchtlinge auch in eines der Aufnahme- und Orientierungszentren ziehen, die es überall in Frankreich gibt, doch viele von ihnen haben Verwandte im Vereinigten Königreich und wollen deshalb in der Nähe des Hafens bleiben.“

Er sei bestürzt darüber, dass solch eine Krise mitten in Europa und ganz in der Nähe von Großbritannien stattfindet.

„Wenn man sich die Bilder vom Lager ansieht kann man kaum glauben, dass so etwas in Europa passiert, weniger als 20 Meilen von der Küste Großbritanniens entfernt“, sagte er.

Die Flüchtlinge im Lager hatten bereits früher Unternehmergeist bewiesen indem sie von Besuchern Eintritt dafür verlangt hatten damit diese sich ein Bild von Banksy anschauen konnten, das sich für die Rechte von Flüchtlingen ausspricht. Das Bild zeigt Steve Jobs, selbst Sohn syrischer Einwanderer, wie er sich als Flüchtling auf den Weg nach Europa macht.

Das Graffiti wurde abgedeckt und konnte gegen eine Gebühr von 5 Euro angesehen werden.

Die Forderung der Prominenten, dass unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen die Einreise nach Großbritannien erlaubt werden soll, erfolgte kurz nachdem acht Wohltätigkeitsorganisationen sich in einem offenen Brief gegen die Pläne zur Planierung des Südteils des „Dschungels“ ausgesprochen hatten.

Nach Aussage dieser Organisationen werden die Flüchtlinge letzten Endes obdachlos, da ihnen keine geeigneten Ersatzunterkünfte angeboten worden seien.

Dieser Artikel ist ursprünglich bei der Huffington Post UK erschienen und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

Auch auf HuffPost:

"Organisiertes Staatsversagen": So viele Flüchtlinge ziehen bereits frustriert vor Gericht

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.