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19/02/2016 21:21 CET | Aktualisiert 20/02/2016 19:03 CET

"Revolver und Gewehre in Pink" - Die US-Waffenindustrie hat kleine Kinder als neue Zielgruppe entdeckt

Getty Images

Knallige Farben, wenig Gewicht und leicht in der Handhabung: Eine neue Generation von Waffen soll in den USA an den Mann gebracht werden - oder eher an das Kind. Nachdem ihnen die besten und klassischen Kunden (männlich, weiß, Republikaner, etwas älter) langsam wegsterben (altersbedingt - nicht aufgrund von Schießunfällen), ist die amerikanische Waffenindustrie auf der Suche nach neuen Kunden.

In den Kindern zwischen sechs und zwölf Jahren glauben sie diese jetzt gefunden zu haben. Dass sich die Industrie auf diese neue Zielgruppe eingeschossen hat, ermittelte das "Violence Policy Center" (VPC), eine Organisation, die sich gegen privaten Waffenbesitz einsetzt, in einem 54-seitigen Bericht.

"Start them Young" scheint das Motto der Waffenhersteller zu sein. Wer früh ans Schießen gewöhnt wird, wird es später als Normalität wahrnehmen - und hoffentlich nicht mehr missen wollen. Die Waffenlobby mit ihrem stärksten Organ, der "National Rifle Association" (deutsch: Nationale Gewehr-Vereinigung), braucht schließlich Nachwuchs und genug Befürworter bei einem Thema, das in den USA wahlbestimmend sein kann.

Wirtschaftliche und politische Interessen verfolgen könnte man das aus Waffenlobby-Sicht nennen - oder aber Kundenbindung aufbauen ohne jegliches Gewissen.

Damit die Waffen "kindgerecht" sind, wird zum Beispiel größtenteils Plastik verwendet. So soll selbst der Sechsjährige die Schusswaffe halten können und dem Rückstoß standhalten können.

Doch nicht nur kleine Jungs sind Zielgruppe - auch die Mädchen werden ins Auge gefasst. Ganz "ladylike" werden die Revolver und Gewehre in Pink oder anderen knalligen Farben produziert. So wird die Waffe schnell zum modischen Accessoire, Coolness und Spaß soll damit verbunden werden.

Teil zwei der Strategie sind die Eltern: Die werden laut der VPC "aggressiv" ermutigt, ihre Kinder so früh wie möglich mit dem Schießen vertraut zu machen. Früh lernt sich also, was ein waffentreuer Republikaner werden will.

Der Bericht enthält auch Beispiele für die Strategien der Industrie. Der Hersteller "Crickett" schicke beispielsweise das Tier-Maskottchen "Davey Crickett" ins Rennen um die Gunst der Familien. Der Werbespruch: "Meine erste Waffe: Qualitätswaffen für Amerikas Jugend".

Obwohl es die einen Eltern mit Stolz erfüllen mag, wenn ihre Kinder den ersten Schuss abfeuern, bringt das andere zum Weinen. Präsident Barack Obama kamen während einer Rede im Januar die Tränen, als er über Waffeneinsatz durch Kinder und Jugendliche sprach. Er beklagt eine "Epidemie der Waffengewalt" - seine Bestrebungen, die Gesetze zu verschärfen, scheiterten am republikanischen Widerstand im Kongress.

In seiner Rede im Januar erinnerte er an den Amoklauf in der Sandy Hook-Grundschule, in der ein 20-Jähriger 28 Menschen, darunter 20 Kinder und sich selbst, umbrachte.

Solche Amokläufe mögen nicht an der Tagesorndung sein, die Waffengewalt unter Kindern aber schon. Wer auf amerikanischen Newsseiten stöbert, findet allein seit dem Jahreswechsel unzählige Fälle von Kindern, die an Schusswunden sterben - ob durch Unfälle oder aus Vorsatz.

So erschoss ein Dreijähriger aus Alabama kürzlich versehentlich seine neunjährige Schwester, ein Vierjähriger aus Baltimore und ein Fünfjähriger aus Texas töten sich versehntlich selbst.

Im Staat Tennessee sorgte ein Fall für Aufsehen, in dem ein Elfjähriger eine Achtjährige erschoss, weil sie ihm ihre Hundewelpen nicht zeigen wollte. Laut Statistik werden in den Vereinigten Staaten täglich sieben Kinder und Teenager mit Waffen getötet.

"Kids and guns don't mix" ist letztlich das Motto der Anti-Waffen-Bewegung in den USA - ein Grundsatz, den man eigentlich nicht erst lehren sollen müsste.

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