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Zellen des Kindes im Gehirn der Mutter: Studie zeigt die extrem enge Bindung zwischen Mutter und Kind

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Mutter mit Neugeborenen | Image taken by Mayte Torres via Getty Images
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Die Bindung zwischen Mutter und Kind ist einzigartig. Immerhin entwickelt sich das Baby neun Monate lang im Bauch der Mutter und ist komplett von ihr abhängig.

So wirkt sich auch die Lebensweise der Mutter während der Schwangerschaft auf das spätere Leben und die Gesundheit ihres Kindes aus.

Aber sowohl Kind als auch Mutter nehmen durch die Schwangerschaft noch etwas anderes mit – einen Teil des jeweils anderen.

Zellen von Kind und Mutter migrieren während der Schwangerschaft durch die Plazenta in den Körper des anderen. Die Plazenta ist ein Gewebe, das den Embryo mit Nährstoffen versorgt und den Gasaustausch sicherstellt. Auf diesem Wege gelangen die Zellen des Fötus auch in den Körper der Mutter.

Dies fanden Wissenschaftler in einer früheren Studie heraus. Sie entdeckten Zellen mit Y-Chromosomen im Körper von Frauen und waren verwundert. Nur Männer besitzen dieses Chromosom – also müssen die Zellen von einem anderen Organismus stammen. Offensichtlich trugen diese die Zellen ihrer Kinder im Körper, die sich in verschiedenen Organen wie Lunge, Niere oder Herz ablagerten.

Eine neue Studie des amerikanischen „Fred Hutchinson Cancer Research Center“ zeigt, dass die fremden Zellen sich auch im Gehirn ansiedeln.

Die Forscher untersuchten die Gehirne von verstorbenen Frauen
und fanden bei 60 Prozent fremde, männliche Zellen, die sich dort oft schon seit Jahrzehnten befanden.

Da Frauen, die mehrmals schwanger waren, eher Alzheimer entwickeln, nahmen die Forscher an, dass die Gehirne besonders von dieser Krankheit betroffen wären. Zu ihrer großen Überraschung war das Gegenteil der Fall. Eine Schlussfolgerung könnte sein, dass die fremden Zellen die Entstehung von Alzheimer hemmen.

Das Ergebnis eines anderen Forscherteams könnte diese These unterstützen.

Sie untersuchten die Aktivitäten der Zellen des Fötus im Körper von weiblichen Ratten, wenn diese eine Verletzung am Herzen erlitten. Die Forscher beobachteten, dass die Zellen in das Herz der Rattenmütter wanderten und sich dort zu Herzzellen bildeten, um die Wundheilung zu unterstützen.

Der Gedanke, dass unser Organismus die Zellen eines fremden Körpers so leicht integrieren kann, ist sicher gewöhnungsbedürftig - aber ein weiterer Hinweis, der zeigt, wie eng die Bindung zwischen Mutter und Kind sein kann.

Möglicherweise, so schreiben die Autoren der Studie, gibt es diese Verbindung sogar nicht nur zwischen Mutter und Kind, sondern auch zwischen Geschwistern. Denn die Zellen ältere Geschwister, die noch von der früheren Schwangerschaft im Körper der Mutter zurückgeblieben sind, könnten ihren Weg durch die Plazenta in die Körper der jüngeren Schwestern oder Brüder gefunden haben.



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