POLITIK
19/02/2016 04:43 CET

Hürriyet-Korrespondent: Diesen Fehler darf die Türkei nicht machen

Getty
Ein Mann zeigt auf einer Demonstration die türkische Flagge

Es ist eine Warnung vor einer Spirale der Gewalt. Ahmed Külahci, Deutschland-Korrespondent und Berliner Büroleiter der türkischen Tageszeitung "Hürriyet", warnt nach dem Anschlag in Ankara vor einer harten Reaktion. Gleichzeitig mahnt er mehr Anstrengungen der EU in der Flüchtlingskrise an.

Wer den Anschlag in Ankara verübte, sei noch nicht klar. Im Gegensatz zu Äußerungen der türkischen Regierung hält er die Urheberschaft für den Anschlag noch nicht für geklärt. "Man sollte sich vor vorschnellen Spekulationen hüten. Das muss gründlich aufgeklärt werden. Aber offenbar gibt es Hinweise in Richtung PKK. Es könnte sich aber auch um IS-Terroristen handeln", sagte er der "Passauer Neuen Presse".

Er warnt die Regierung vor Vergeltungsschlägen. "Wir sollten uns vor einer weiteren Eskalation hüten. Mit einer harten Reaktion der Gewalt wird man nichts erreichen. Das würde der Türkei nur noch mehr schaden", sagte Külahci. Stattdessen müsse eine Friedensinitiative auf den Weg gebracht werden, damit die Türkei wieder zur Ruhe komme.

Auf Europa werde ein neuer Flüchtlingsstrom zukommen. Er rechnet zudem mit weiteren Zehntausenden Fliehenden, falls die EU die Türkei nicht mehr unterstütze. "Wenn die Europäer sich keine Gedanken machen und keinen ausreichenden Beitrag zur Unterstützung der Türkei leisten, werden sich wieder Zehntausende von Flüchtlingen" aus Syrien auf den Weg nach Europa machen. Die Türkei benötigt hier Hilfe und Entlastung, sagte er.

An die politische Führung in Ankara appelliert Külahci: "Die türkische Regierung sollte jetzt besonnen bleiben. Die Attentate sollten nicht als Vorwand genutzt werden, um etwa Menschenrechte und Pressefreiheit einzuschränken."

Bei dem Anschlag am Mittwochabend auf einen Militärkonvoi wurden 28 Menschen getötet. Über 60 weitere wurden verletzt. Die türkische Regierung macht die verbotene kurdische Untergrundorganisation PKK und ihren syrischen Ableger YPG für den Anschlag verantwortlich.

Auch auf HuffPost:

Augenzeuge zum Terror in der Türkei: Wir hatten Angst vor einer zweiten Bombe

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Gesponsert von Knappschaft