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18/02/2016 17:51 CET

So unmöglich ist es wirklich, noch mehr Flüchtlinge aufzunehmen

Frances M. Ginter via Getty Images
Europa kann angeblich nach nicht mehr Flüchtlinge aufnehmen - doch stimmt das?

Beim EU-Gipfel am 18. und 19. Februar wird ein zentrales Thema wohl oder übel die Flüchtlingskrise sein. Wie soll die EU mit der nicht abebbenden Zuwanderung umgehen?

Bundeskanzlerin Angela Merkel wirbt für eine europäische Kontingent-Lösung in der Flüchtlingskrise, wobei Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer ihr den Rücken stärkt.

Doch viele EU-Staaten weigern sich, feste Kontingente an Flüchtlingen aufzunehmen. Auch Frankreichs Premier Manuel Valls ist strikt gegen Merkels Vorschlag und schloss eine Aufnahme weiterer Flüchtlinge über die zugesagten 30.000 hinaus aus. Valls argumentiert, Frankreich könne schlichtweg keine Flüchtlinge mehr aufnehmen, "das ist nicht möglich".

Doch stimmt das? Schließlich ist Mitteleuropa auch nach der Wirtschaftskrise noch eine der wohlhabendsten Regionen der Welt. Und auch an Platz mangelt es uns nicht. Syriens Nachbarland Libanon kann das alles nun nicht wirklich von sich behaupten. Und doch hat das nur 150.000 km² große Land bereits 1,3 Mio. Flüchtlinge aufgenommen.

Das sind 300.000 mehr, als die gesamte EU zusammen aufgenommen hat. Ein Post des finnischen Journalisten Bruno Jäntti stellt diese Fakten gekonnt gegenüber:

"We cannot accommodate any more refugees in Europe, that's not possible."–Manuel Valls, Prime Minister of France

Posted by Bruno Jäntti on Dienstag, 16. Februar 2016

Absurd - dass die Länder, um die es am besten bestellt ist, sich am lautesten und vehementesten beklagen. Dass es nicht Länder wie der Libanon sind, die sich gegen eine weitere weitere Aufnahme von Flüchtlingen sträuben, weil sie angeblich einfach nicht mehr aufnehmen können.

Ja, Europa ist überfordert mit der Flüchtlingskrise. Und ja, es muss etwas passieren, und zwar schnell. Aber machen wir es uns nicht vielleicht zu einfach, wenn wir unsere Überforderung an der Zahl der Flüchtlinge festmachen?

Was geändert werden muss, ist der Umgang mit den Flüchtlingen. Wir brauchen jetzt eine europäische Strategie, mit der wir die Flüchtlingswelle meistern - Alleingänge können jetzt verheerende Folgen haben. Es ist jetzt an der EU, eine gemeinsame Lösung zu finden. Dafür hilft es jedoch wenig, der Überforderung nachzugeben und sich neuen Ideen und Diskussionen zu sperren.

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