LIFESTYLE
18/02/2016 15:28 CET

Eine Frau wird aus einem Café geschmissen – der Grund ist unglaublich

Die Berlinerin Johanna Spanke kämpft mit einer Petition für etwas, das eigentlich selbstverständlich sein sollte: ihr Recht, ihr Kind an öffentlichen Orten zu stillen.

"Ich hätte nie gedacht, dass Stillen in der Öffentlichkeit in Deutschland ein Tabu ist", beschwert sich die junge Mutter in ihrer Onlinepetition, adressiert an Bundesfamilienministerin Manuela Schwesig, auf der Website weact.de.

Grund für ihren Ärger: Die junge Mutter wurde in einem Café im hippen Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg darauf hingewiesen, dort nicht stillen zu dürfen - sie hatte ihren kleinen Sohn dabei.

Keine Lust zu diskutieren

"Die Kellnerin sagte, im Lokal dürfe nicht gestillt werden", erzählt Spanke im Interview mit der "Berliner Morgenpost". Als sie sich beschwerte, kam der Chef höchstpersönlich. Und der meinte, "er habe keine Lust, das zu diskutieren und bot an, das Geld für die Getränke zurückzugeben", so die Berlinerin weiter.

Daraufhin verließ die junge Mutter mitsamt Lebensgefährte und Baby das Lokal. Doch die Diskriminierung durch den Café-Betreiber kann Spanke nicht nachvollziehen. Im Petitionstext beschwert sich die junge Berlinerin:

"Zu einer familien- und kinderfreundlichen Gesellschaft gehört, dass das Stillen in der Öffentlichkeit nicht zu einem Tabu gemacht wird! Es kann nicht sein, dass die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt, Kinder bis zur Vollendung des sechsten Lebensmonats voll zu stillen, und in Deutschland von Müttern erwartet wird, dies ausschließlich in den eigenen vier Wänden zu tun"

Stillen nur im hinteren Bereich erlaubt

"Es gibt bei uns Grenzen", erklärte sich der Betreiber in einem Interview mit der "Welt". Eine Mutter könne im "Rückbereich des Geschäftes ihrem Kind die Brust geben", fügte er an.

Rein rechtlich ist dem Mann nichts vorzuwerfen. Denn: In Deutschland ist Stillen in der Öffentlichkeit zwar grundsätzlich erlaubt, aber für Cafés, Restaurants und Ähnliches gibt es bisher keine gesetzliche Regelung, die stillende Mütter vor Diskriminierung schützt.

Dort gilt das Hausrecht. Der Wirt kann also entscheiden, wen er als Kunden haben möchte, wen nicht – oder wen nur im "hinteren Teil des Cafés".

Zu einer kinderfreundlichen Gesellschaft gehört auch die Möglichkeit zum Stillen

Das will Spanke mit ihrer Petition ändern – sie fordert ein "Gleichheitsgesetz" für Stillende, wie es in Großbritannien bereits 2010 verabschiedet wurde.

Dort dürfend stillende Frauen nicht länger diskriminiert werden – eben auch nicht in Cafés. Über 4000 Menschen haben die Forderung bereits unterschrieben.

Ein Sprecher der adressierten Bundesfamilienministerin erklärte der "Welt", zu einer kinder- sowie familienfreundlichen Gesellschaft gehöre auch die Möglichkeit zum öffentlichen Brustgeben. "Es muss möglich sein, hier im Interesse aller gute Lösungen zu finden", hieß es weiter. Was das für die Rechte stillender Frauen bedeutet, wird sich zeigen.

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