LIFESTYLE
16/02/2016 19:50 CET | Aktualisiert 16/02/2016 20:03 CET

Achtung, Gift! Viele Nahrungsergänzungsmittel enthalten gefährliches Blei

Sean Gallup via Getty Images
Vor allem in Kiesel- und Mineralerden finden sich hohe Bleianteile.

Kieselerde, Magnesium mit Vitamin C+E, Zeloith & Zink: Viele Nahrungsergänzungsmittel klingen erstmal recht gesund. Wo "Vitamin- und Mineralstoffpräparate" draufsteht, vermutet man essentielle Bestandteile, die der Körper braucht, ja, gar nicht genug davon kriegen kann.

Aber das täuscht. Viele Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Menschen schlicht überflüssig. Schlimmer noch: Sie enthalten teils giftiges Blei in bedenklichen Mengen. Das berichtet der NDR unter Berufung auf Untersuchungen der staatlichen Lebensmittelüberwachung.

Die zugelassene Höchstmenge Blei in Nahrungsergänzungsmitteln beträgt laut einer EU-Verordnung aus dem Jahr 2008 drei Milligramm pro Kilogramm. Die Behörden sollen aber zwischen 2011 und 2014 in mehr als 30 Produkten höhere Bleiwerte gemessen haben. In einem Fall wurden sogar 19 Milligramm pro Kilogramm gemessen - der Grenzwert wurde also um mehr als das Sechsfache überschritten.

Bei Blei ist vor allem die regelmäßige Aufnahme problematisch. Aus diesem Grund werden auch für Trinkwasser regelmäßige Kontrollen durchgeführt. Blei kann laut dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unter anderem die Nieren und das Gehirn schädigen und zu Totgeburten und Sterilität führen.

Bleiablagerungen im Körper sind besonders für Kinder gefährlich. Blei reichert sich unter anderem in den Knochen an und kann das Wachstum hemmen. Außerdem können bereits geringe Mengen bei Kindern das Nervensystem schädigen, was in Verhaltensauffälligkeiten und Intelligenzdefiziten resultieren kann.

Dem NDR liegt eine Liste mit Produkten vor, die in den Jahren 2011 bis 2013 den Blei-Grenzwert überschritten haben. Doch auf dem Portal "lebensmittelwarnung.de" der Bundesländer und des Bundesamts für Verbraucherschutz wird keines davon aufgeführt.

Die Lebensmittelüberwachung obliegt in Deutschland den Bundesländern, wird aber dezentral organisiert, meist von den Landkreisen und Städten. Schwerwiegende Verstöße müssen die Behörden veröffentlichen.

Warum also wurde die Bevölkerung nicht vor der Blei-Konzentration in den Produkten gewarnt?

Im Fall eines Produkts von Abtei, in dem der NDR Behörden und Hersteller konfrontierte, erklärte die Behörde die ausgebliebene Warnung damit, dass die Überschreitung "relativ geringfügig" sei. Sie hatte bei 3,7 Milligramm pro Kilogramm gelegen. Selbst der Hersteller, wurde nach eigenen Angaben nicht über die Laborergebnisse aufgeklärt. Ein Unding.

In der "Grünen Mineralerde" von Terra Natura wurde der Grenzwert nach Messung der Behörden und des NDR sogar extrem überschritten: um das Sechsfache. Doch angeblich fanden die Behörden nur Hinweise des Herstellers, dass das Produkt zur äußerlichen Anwendung diene. Und damit der Grenzwert nicht anzuwenden wäre.

NDR-Recherchen bewiesen, dass der Hersteller sehr wohl im Internet für die innerliche Anwendung warb. Der Hersteller sagte den Journalisten auf Nachfrage, man habe "vergessen", die Seite zu löschen. Ein Unding? Ja. Und Wahnsinn. Zumal das Produkt mit der gleichen Belastung nach NDR-Angaben noch immer im Handel ist.

Auch auf HuffPost:

Gesundheit: Dieses beliebte Nahrungsergänzungsmittel kann den Körper innerhalb von zehn Minuten beschädigen

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.

Sponsored by Trentino