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Rechtsanwalt will die erste legale Cannabisplantage in Deutschland betreiben - das ist sein Plan

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In Kanada ist Kiffen legal. In US-Staaten wie Colorado und Washington ebenfalls. Und in Deutschland? Gibt es leise Anzeichen, dass sich in den kommenden Jahren ebenfalls einiges ändern könnte.

Darauf zählt kaum einer so sehr wie Jürgen Scholz. Er ist Rechtsanwalt aus Hannover – und kämpft seit Jahren für die Legalisierung von Cannabis in Deutschland.

Cannabisplantage auf 50.000 Quadratmetern

Er hat mit Gesinnungsgenossen MedWeed gegründet, die Cannabis zu medizinischen Zwecken anbauen und verkaufen will. Dafür hat er ein 50.000 Quadratmeter großes Landstück am Stadtrand gekauft.

scholz
Jürgen Scholz

Dort möchte er für die etwa 600 Schmerzpatienten, die in Deutschland legal Cannabis konsumieren und anbauen dürfen, die Pflanzen kultivieren und an sie verkaufen.

Scholz versteht das als eine Service für jene Patienten, die „dazu nicht mehr in der Lage sind“. „Sie haben eine Krankheit, die ihnen das erschwert, oder einfach keinen grünen Daumen.“ Am heutigen Montag möchte Scholz ein Gewerbe anmelden, um möglichst rasch das Geschäft aufzunehmen.

So etwas hat noch keiner in Deutschland ernsthaft versucht, denn was Scholz vorhat, ist eigentlich strengstens untersagt. Der Anbau von Cannabis ist in Deutschland – mit Ausnahme für die knapp 600 Schmerzpatienten – nicht erlaubt.

Und genau hier liegt der Knackpunkt. „Dahinter steht die Frage, ob Cannabispatienten das Recht auf den Anbau der Droge in Form einer Dienstleistung an Dritte übertragen dürfen."

"Kleine Nadelstiche gegen die Gesetzeslage"

Sofern er Erfolg hat, will Scholz umgehend Gewächshäuser und Labore bauen lassen. Man sei bereits in Gesprächen mit Unternehmen, die Erfahrungen auf diesem Gebiet hätten – wenngleich er selbst „nicht den Gärtner- oder Laborkittel anziehen wird“.

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass die Gewerbeanmeldung scheitert. Dann will Scholz vor das Verwaltungsgericht ziehen. "So wollen wir das Thema auch juristisch bearbeiten. Das sind für uns kleine Nadelstiche gegen die aktuelle Gesetzeslage. Wir wollen erreichen, dass alle Patienten, die Cannabis benötigen, hierzu auch Zugang erhalten. Das ist nur eine Frage der Zeit“, ist sich Scholz sicher.

Im Prinzip ist Scholz damit seiner Zeit voraus. Denn tatsächlich plant das CDU-geführte Bundesgesundheitsministerium gerade, den Anbau und Handel für medizinische Zwecke zu erlauben. Hat das Gesetz Erfolg, schlägt die Stunde von Leuten wie Scholz. Bekäme er den Zuschlag für diese Cannabisagentur, könnte er sich den Weg über das Verwaltungsgericht sparen.

"Verklemmtes Verhältnis"

Bis es aber soweit kommt, könnte es noch lange dauern. Scholz beschreibt das Verhältnis der Deutschen zu Cannabis als „verklemmt“. „Da denken viele noch an langhaarige Kiffer, die für nichts zu gebrauchen sind.“

Dabei leiden vor allem Schmerzpatienten unter den verkrusteten Gesetzen. Sie dürfen Cannabis etwa nur verwenden, wenn alle andere Behandlungsmethoden erfolglos ausprobiert wurden. Hinzu kommt: Krankenkassen zahlen das Kiffen nicht. Dabei kostet das Medizinalhanf mehrere hundert Euro im Monat. Außerdem klagen Patienten über Lieferengpässe.

„Das ist ein unfassbarer Zustand – und ein großer Fehler“, sagt Scholz. „Denn viele Krankheitsbilder sind altersbedingt und können jeden früher oder später betreffen. Als Schmerzpatient weiß man, was das bedeutet.“

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