GOOD
15/02/2016 04:56 CET | Aktualisiert 15/02/2016 11:40 CET

Mit einer bestialischen Praxis der Eier-Industrie soll bald Schluss sein

DPA
Ein männliches Küken

Wenige Stunden nach dem Schlüpfen werden sie getötet. Jährlich werden bundesweit Millionen männliche Eintagsküken nach Angaben von Tierschützern bei lebendigem Leib geschreddert oder vergast, weil sie für die Geflügelproduktion wertlos seien.

In der Ernährungsindustrie werden nur Hennen gezüchtet. Männliche Tiere sind für die Industrie wertlos, da sie keine Eier legen und auch nicht schnell genug Fleisch ansetzen.

Mit dem Töten soll Schluss ein. Nun hat die Staatsanwaltschaft Anklage gegen eine Brüterei im münsterländischen Senden wegen der massenhaften Vernichtung männlicher Eintagsküken erhoben. Ein Sprecher der Staatsanwaltschaft in Münster bestätigte einen Bericht des "Spiegel".

Lest dazu auch: Hühnchen: Wenn Sie diese 6 Fakten kennen, denken Sie anders über Ihren Fleisch-Konsum

Die Tierrechtsorganisation Peta hat die Anzeige ins Rollen gebracht. Deren Vertreter Edmund Haferbeck Peta sagte, vor einem Jahr habe man erneut bei elf Staatsanwaltschaften gegen alle rund 20 Brütereien in Deutschland Strafanzeige erstattet. "Die Tötung von Wirbeltieren ohne vernünftigen Grund ist strafbar." Gesetzgeber, Behörden und Agrarindustrie hätten jahrelang immer neue Ausflüchte gesucht. Es sei von täglich 140.000 getöteten männlichen Küken deutschlandweit auszugehen.

Es sei das erste Mal, dass es in einem solchen Fall zur Anklage komme. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft sagte auf Anfrage, man habe Anklage beim Landgericht in Münster erhoben und strebe gegebenenfalls eine höchstrichterliche Rechtsprechung an. Denn es handele sich um ein bundesweites Problem.

Der CSU- Landwirtschaftsminister Christian Schmidt nannte es "unerträglich".Die Küken würden getötet, weil sie lediglich das falsche Geschlecht hätten. Er sprach von rund 45 Millionen Tieren pro Jahr, Peta geht von 50 Millionen aus. "Ein Verbot ohne Alternative würde die Geflügelhaltung jedoch lediglich ins Ausland verlagern", sagte Schmidt. Diese Praxis solle ein Ende haben. "Mein Ziel ist, dass das Töten männlicher Eintagsküken 2017 aufhört. Daran arbeiten wir bereits intensiv."

Ein Abwandern der Industrie ins Ausland müsse verhindert werden. "Dort haben wir keinen Einfluss auf Fragen des Tierwohls, der Haltung und des Tötens männlicher Eintagsküken." Zudem mache man sich abhängig vom Import. Das helfe weder dem Tierwohl noch dem Verbraucher. Eingeschlagen sei der "Weg der Forschung, um den Geflügelerzeugern eine praxistaugliche Alternative zu bieten". Damit meint er das Aussortieren "männlicher" Eier, noch bevor sie ausgebrütet werden.

Auch auf Huffpost:

Ein Schüler verschenkte an jedes Mädchen seiner Schule eine Nelke - das ist der Grund

Lesenswert

Ihr habt auch ein spannendes Thema?

Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.