POLITIK
12/02/2016 21:30 CET | Aktualisiert 12/02/2016 21:32 CET

AfD-Vize-Chef Gauland über seine eigene Partei: "Wir sind ein gäriger Haufen"

dpa

Er wird immer mehr zum politischen Outlaw seiner Partei: Nachdem sich der stellvertretende Chef der AfD, Alexander Gauland, erst vor wenigen Tagen kritisch gegenüber den Aussagen seiner Parteivorsitzenden Frauke Petry zum Schusswaffengebrauch an Deutschlands Grenzen geäußert hatte, folgte jetzt der nächste politische Knall.

Im Interview mit der "Welt" warnt Gauland seine Partei vor der Übernahme von Regierungsverantwortung. "Wir sind noch immer ein gäriger Haufen“, sagte der Vorsitzende der Brandenburger AfD.

Regierungsverantwortung wäre für die AfD tödlich

Irgendeine Form von Regierungsverantwortung zu übernehmen „wäre für uns tödlich. Wir würden aufgesaugt werden. Die anderen sind viel zu erfahren in den Institutionen, als dass wir mithalten könnten. Wenn wir jetzt Regierungsverantwortung übernehmen, gehen wir daran zugrunde“, sagte Gauland.

Sein Ziel sei es, "dass wir in der Parteienlandschaft der Bundesrepublik ankommen und dort fest verankert sind. Ziel muss sein, dass wir das erreichen und nicht durch eigene Dummheiten verspielen“, sagte Gauland.

Sind wir rechtsradikal?

Auch Angela Merkel nahm Gauland in dem Interview ins Visier. „Die Kanzlerin verändert das Land in einem Tempo, das ihr selbst noch leidtun wird. Das hat nichts mehr mit einem allmählichen Wandel zu tun“, sagte Gauland.

„Diese Geschwindigkeit ist fast schon zur Ideologie geworden, etwa wenn man an Wolfgang Schäuble denkt, der vom ‚Rendezvous mit der Globalisierung‘ spricht und damit das Tempo der Veränderungen rechtfertigt. Mittlerweile sind alle anderen europäischen Staaten anderer Ansicht als die Bundesregierung. Sind wir rechtsradikal, weil wir in der Flüchtlingsfrage ähnliches wie die Schweden fordern?“

... dann gäbe es uns doch gar nicht

Die AfD verschaffe den Gegnern der Migrationspolitik der Bundesregierung eine Stimme, sagte Gauland. „Die ist manchmal laut, manchmal vielleicht ungeschickt, aber das Anliegen wird dadurch nicht falsch. Hätten CDU und SPD die Bedenken der Bevölkerung ernsthaft aufgegriffen, gäbe es uns doch gar nicht.“

Vier Wochen vor den Landtagswahlen Sachsen-Anhalt, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg befindet sich die AfD auf einem Allzeithoch. In einigen Ländern ist sie laut aktuellen Umfragen die drittstärkste politische Kraft.

Der umstrittene Thüringer Landeschef Björn Höcke sieht seine Partei mittelfristig sogar bei 30 Prozent. Das sei realistisch, sagte er vergangenen Mittwoch beim Politischen Aschermittwoch dreier Landesverbände in Sachsen-Anhalt. "Und die AfD hat das Potenzial, die neue Kanzlerpartei zu werden", sagte Höcke.

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