Huffpost Germany

AfD will die Schulpflicht abschaffen

Veröffentlicht: Aktualisiert:
SCHULE
Classroom | Getty
Drucken

Wenn Schüler wählen dürften - die AfD würde wohl mit absoluter Mehrheit die Parlamente stürmen. Denn ein Punkt aus dem Wahlprogramm der Partei dürfte wie das Versprechen des Paradieses auf genervte Pennäler wirken: nie wieder Schule!

Jedenfalls nie wieder Schulweg, Pausenklingel und durchgeweichtes Butterbrot - denn die rechtspopulistische Partei will die Schulpflicht abschaffen. So ist es zu lesen im Wahlprogramm der AfD Sachsen-Anhalt für die anstehende Landtagswahl, unter dem Punkt "Heimunterricht". Die Forderung: "Schulpflicht ist durch Unterrichtspflicht zu ersetzen."

Können Privatlehrer dasselbe leisten?

Somit sollen Eltern nach dem Willen der Partei selbst wählen können, ob sie ihre Kinder in die Schule schicken oder sie zuhause lernen lassen. Vorbild scheint das Modell des Homeschooling zu sein, wie es hierzulande verboten, in den USA aber durchaus weit verbreitet ist.

Allerdings mit einem Unterschied: Eltern dürfen dem AfD-Plan zufolge nicht selbst unterrichten, sondern müssen einen Privatlehrer engagieren, der "gleiche Qualitätsstandards erfüllt wie Schulunterricht". Genau dort fangen die Probleme aber an: "Es gibt keinen Privatlehrer, der so ein Tausendsassa ist, dass er auch in höheren Klassen bis zu 12 Fächer unterrichten kann", sagte der Präsident des Deutschen Lehrerverbandes, Josef Kraus, der "Bild".

Gehirnwäsche für Kinder?

Üblicherweise dürften Lehrer an Realschulen und Gymnasien daher höchstens drei Fächer unterrichten. Doch der Lehrplan alleine ist nicht die einzige Schwachstelle des Plans. Kraus glaubt demnach, dass das Homeschooling bei einer bestimmten Klientel besonders gerne angenommen werden würde - mit der Folge, "dass die Kinder von Fanatikern oder religiösen Sektierern indoktriniert werden". Die USA seien dabei "ein warnendes Beispiel".

Das Wahlprogramm macht deutlich, dass die AfD genau auf entsprechende, konservativ-religiös angehauchte Eltern zielt. So lautet ein anderer Punkt der Agenda "Gegen Früh- und Hypersexualisierung in Kindergarten und Schule" und richtet sich gegen einen vermeintlich zu früh beginnenden Sexualkundeunterricht. Dieser müsse "mit der körperlichen und seelischen Entwicklung von Kindern Schritt halten".

Schule dient nicht nur zum Lernen

Ein weiterer Aspekt, der nachdenklich stimmt: Die Schulpflicht dient nicht nur dazu, einen einheitlichen Wissensstand zu vermitteln - sie soll Kinder auch selbstständig und sozial machen. "Das ist ganz wichtig, dass Kinder sich von ihren Familien auch abnabeln", sagt Kraus dazu.

Hat die AfD so weit gedacht? In einer Art Vortext für das Wahlprogramm heißt es: "Sachsen-Anhalt ist ein reiches Land – reich an Menschen mit gesundem Verstand". Offenbar gilt das nicht für alle.

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter blog@huffingtonpost.de.