POLITIK
11/02/2016 08:29 CET | Aktualisiert 11/02/2016 08:34 CET

Varoufakis bei Maischberger: "Das ist ein Scheitern der Regierungen"

ASSOCIATED PRESS
Der griechische Ex-Finanzminister Yanis Varoufakis (Archiv).

Der frühere griechische Finanzminister Yanis Varoufakis ist unterwegs in einer hehren Mission - in Sachen Griechenland oder in Sachen Europa oder in eigener Sache, das weiß man nicht so genau.

Jedenfalls bekommt der Schimpf- und Charme-Politiker derzeit alle nur denkbare Aufmerksamkeit: Dienstag in der Berliner Volksbühne seine neue Linksintellektuellenbewegung Democracy in Europe Movement 2025 vorgestellt, am Mittwoch die ganz große Bühne: In der Talkshow bei Maischberger, zusätzliches Einzel-Interview mit der Moderatorin inklusive.

Die schrill-schreckliche Show des Ex-Finanzministers

Die große Varoufakis-Show ist schrill-schrecklich, hinterlässt sie doch eine höchst unangenehme Erkenntnis: Varoufakis hat einen Plan für Europa, er weiß, was in Griechenland geschehen muss und alle anderen, jedenfalls durchweg sämtliche Talkshow-Teilnehmer und die Gastgeberin, haben unrecht. So sieht er das selber.

Und das ist der unangenehme Teil der Erkenntnis: Was, wenn Griechenland immer nur von bösmeinenden Nichtwissern umgeben war? Wurde das Land unter einem ignoraten EU-Diktat an den Rand des Euro-Austritts, Grexit genannt, getrieben? Wahrscheinlich nicht. Aber falls doch, dann stünde hier der Mann, der es immer besser wusste.

Varoufakis: verkannt und missverstanden

Und der es auch immer noch besser weiß. Der Vollblut-Politiker, als Ex-Politiker darf man ihn nicht bezeichnen ("Ich habe niemals die Politik verlassen"), beginnt im Studio eine einzige Ich-gegen-die-Welt-Show. Der Mann, der 2015 für ein halbes Jahr Finanzminister in Griechenland war, empfiehlt sich als bester Kenner jeglicher Äußerungen, Politikerkollegen, Fakten.

Äußerungen: Die deutsche Hauptstadt Berlin sei "das Zentrum allen Übels", so sagte es Varoufakis nach einer Überlieferung des Handelsblatts, und zwar gerade einmal vor zwei Wochen. Falsch, falsch! Nie habe er das gesagt, ereifert sich der Grieche. Und auch am deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble sei nichts auszusetzen.

Schäuble, zumindest zur Dienstzeit Varoufakis' praktisch ein Erzfeind, bekommt plötzlich verhaltenes Lob ab ("Wir achten einander"). Hauptsache, Varoufakis kann jemandem widersprechen. Das scheint ihm gutzutun.

Politikerkollegen: Es geht ans Eingemachte, das dritte Rettungspaket für Griechenland steht auf dem Talkshow-Programm. "Schäuble glaubt nicht an die Reformagenda, er hält sie für völlig unmachbar", berichtet Varoufakis. Über die just zuvor angesprochene Achtung, rein als Person, geht sein Verhältnis zu Schäuble also offenbar nicht hinaus.

Die weiteren Kritiken verteilt er dann an namentlich nicht genannte Personen. "In der Situation, wo keiner an die Reformagenda glaubt, unterschreibt sie jeder", heißt es da etwa. Oder weiter: "Sind wir völlig verrückt geworden?! Das ist ein Scheitern der Regierungen, nichts anderes!" Wobei "wir" sehr wahrscheinlich nicht Varoufakis einschließt, denn der weiß es ja besser.

Fakten: Der Reformkritiker wurde bei Maischberger mit ein paar anderen Gästen dekoriert. Als Kulisse rühmen durften sich unter anderem Linken-Fraktionsvorsitzende Sarah Wagenknecht, EU-Parlamentarier Elmar Brok oder "Bild"-Politikchef Nikolaus Blome. Deren Einwürfe oder Vorhalte fand Varoufakis allerdings so entsetzlich falsch, dass er sie häufig nicht einmal ausreden ließ. Aus Sicht des Mahners nicht einmal unlogisch.

Über die Sachverhalte geht es dann diametral auseinander. Blome sagt, mit den EU-Krediten seien die Bezüge der Staatsbediensteten bezahlt worden. "Sie kennen die Fakten nicht", wirft Varoufakis ein. Und korrigiert: Die Gelder seien in Griechenland gebraucht worden, um die Kredite des Internationalen Währungsfonds zu bedienen.

Sinnlose Diskussion?

Für zukünftig Mögliches fühlt sich Varoufakis indes kaum zuständig. Die Wortführerschaft in Bezug auf den Grexit ergreifen der ebenfalls geladene FDP-Chef Christian Lindner (dafür) und Journalist Blome (aus pragmatischen Gründen dagegen). Der Euro-Austritt zu dieser Zeit sei schier undenkbar, sagt Blome und versteht folgerichtig die ganze Rederei darum nicht: "Diese Diskussion ist an der Stelle sinnlos."

Damit beansprucht er den Satz für sich, der mit Sicherheit Teil von Varoufakis' Satzpalette für den Abend gewesen war. Aber er wäre wohl ohnehin wieder falsch verstanden worden.

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