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Ex-Bundeswehrgeneral: "Putin hat den Friedensprozess erst ermöglicht"

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WLADMIR PUTIN
Der russische Präsident Wladimir Putin | Getty
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Alle scheinen sich einig zu sein. Der russische Präsident Wladimir Putin ist verantwortlich für die Eskalation der Gewalt in Syrien. Nach Luftangriffen russischer Flugzeuge auf Stellungen der moderaten Rebellen in Aleppo platzte die für Anfang Februar geplante Syrien-Konferenz und ein neuer Flüchtlingsstrom setzte sich Richtung Türkei in Bewegung.

Doch ist das so? Eine ganz andere Sicht auf die Dinge hat der Generalinspekteur der Bundeswehr. Die Rolle Russlands im Syrien-Konflikt stellt Harald Kujat als positiv heraus. "Die Russen haben mit ihrem militärischen Eingreifen den Friedensprozess erst ermöglicht", sagte Kujat im Interview mit der "Passauer Neuen Presse".

Bis September 2015 habe dort Stillstand geherrscht, so Kujat. "Weder die Amerikaner noch die Europäer hatten eine Strategie für ein friedliches Syrien und waren auch nicht bereit, sich massiv zu engagieren. Die Russen haben es gemacht und damit ein Fenster für eine politische Lösung aufgestoßen."

Putin habe den IS davon abgehalten, ganz Syrien zu erobern. Vor dem russischen Eingreifen, so Kujat, sei die syrische Armee vor ihrem Ende gestanden. "Ich hätte ihr nur noch wenige Wochen gegeben. Dann wäre Syrien kollabiert und der IS hätte das Land übernommen. Das nächste Ziel wäre der Libanon gewesen - und das übernächste Israel. Das hätte weitreichende Folgen auch für uns gehabt."

Russland gehe in Syrien nach einem strategischen Plan vor: "Putins Ziel lautet, den Vormarsch der syrischen Truppen in Richtung IS-Gebiet zu unterstützen. Aleppo ist auf diesem Weg bisher wie ein Sperrriegel gewesen, weil die Stadt von der syrischen Opposition gehalten wurde.“ Mit den Bombardements in Aleppo habe Putin nicht gezielt versucht, die Lage zu verschärfen.

In München wurde heute Morgen ein wichtiger Durchbruch erreicht. Nach fünf Jahren Bürgerkrieg mit Hunderttausenden Toten sollen in Syrien binnen einer Woche die Waffen schweigen. Die Regimetruppen von Machthaber Baschar al-Assad auf der einen Seite und die Milizen der Opposition auf der anderen Seite haben einer Feuerpause zugestimmt. Ausgenommen sind aber Angriffe auf die Terrormiliz Islamischer Staat.

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