POLITIK
10/02/2016 22:12 CET | Aktualisiert 10/02/2016 23:06 CET

Kommunikationsforscher erklärt, was die "Bild"-Zeitung mit dem Erfolg der AfD zu tun hat

dpa

Es ist nicht lange her, da galt die AfD als scheintote Partei, die sich selbst zerlegt. Dann kam die Flüchtlingskrise. Und die AfD gewann in Umfragen Woche für Woche dazu.

Jetzt steht sie bei über zehn Prozent. Und könnte im März in drei Landtage einziehen. Das war vor eineinhalb Jahren noch undenkbar.

Wie ist dieser krasse Aufstieg zu erklären?

Carsten Reinemann, Professor für Kommunikationswissenschaften an der LMU München, hat in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ eine spannende These aufgestellt. Darin stellt er einen Zusammenhang her zwischen denen, die nun AfD wählen, und der "Bild"-Zeitung.

„Anfang der 2000er-Jahre haben zwei Politologen in der "Zeit" mal die Frage gestellt: Warum gibt es in der Bundesrepublik eigentlich keine rechtspopulistische Partei? Und die interessante Antwort war: Wir haben die "Bild"-Zeitung.“

Das höre sich erst einmal komisch an, sagt Reinemann. Wenn man aber bedenke, wie die „Bild“ über Jahrzehnte hinweg mit Ressentiments, Minderheiten, Ausländern umgegangen ist, dann haben viele Leute darin eine gewisse Interessenvertretung gesehen, so der Kommunikationsforscher.

Die „Bild“ habe sich in der Flüchtlingskrise allerdings anders verhalten. Im vergangenen Sommer startete die Zeitung die Aktion „Wir helfen“ – und signalisierte ihren Lesern: Wir begegnen der Flüchtlingskrise mit großzügiger Willkommenskultur.

„Da haben diese Leute eine weitere Interessenvertretung verloren. Das ist natürlich ein bisschen wild spekuliert, aber fest steht trotzdem: Die Menschen wollen repräsentiert werden“, sagt Reinemann der „SZ“.

Kurz gesagt: Die AfD hat auch deswegen so viele Anhänger gewonnen, weil sie sich in der „Bild“-Zeitung nicht mehr wiedergefunden haben. Das kann man der Zeitung nicht vorwerfen, ist aber ein interessanter Gedanke. Denn es verrät viel über diejenigen, die nun AfD wählen.

Wie wichtig es für diese Menschen sei, eine Lobby zu haben, erklärt Reinemann anhand einer Umfrage zum Medienvertrauen unter 1.000 Leuten, darunter 500 AfD-Anhänger. Der Kommunikationsforscher sagte der "SZ":

Da zeigt sich, dass das Misstrauen in das politische System, also eine Anti-Elitehaltung, ganz starken Einfluss auf das Medienvertrauen hat. Diese Menschen fühlen sich nicht wahrgenommen, nicht vertreten, sogar bedroht von Medien, weil sie glauben, das geht in diesem Land in eine falsche Richtung. Auch diese Menschen müssen sich irgendwo wiederfinden.

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