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09/02/2016 15:36 CET | Aktualisiert 09/02/2016 16:20 CET

22-Jährige erzählt: Ich hätte im Zug gesessen

In Oberbayern sind am Dienstagmorgen zwei Züge ineinander gerast. Mehrere Menschen starben bei der Kollision, Dutzende wurden verletzt. Bilder von dem Unglück gingen um die Welt.

Auch Marie Z.* erreichten diese Bilder am Dienstagmorgen als sie durch ihre Facebook-Timeline scrollte. Ein Schock. Normalerweise nimmt die 22-Jährige jeden Tag genau diesen Zug um 6.44 Uhr auf dem Weg zur Erzieherschule.

Weil Ferien sind, war sie am Dienstag nicht im Zug. Stunden nach dem Unglück realisiert sie, welches Glück sie hatte. Die Tatsache, dass sie unter den Toten oder Schwerstverletzten hätte sein können, bringt Z. zum Weinen.

„Es gibt eine wichtige Person in meinem Leben, mit der ich gerade Streit habe“, so Z. „Der Gedanke, dass ich vielleicht nicht mehr die Chance auf eine Versöhnung gehabt hätte, tut weh“, so die 22-Jährige.

„Es ist furchtbar, dass heute Menschen so plötzlich aus dem Leben gerissen wurden.“

In den Zügen, die am Dienstag entgleist sind, sitzen jeden Morgen viele Pendler. „Man kennt sich vom Sehen und weiß, wer wo aussteigt“, so Z. „Viele sind auf dem Weg zur Arbeit und schlafen morgens im Zug noch ein bisschen.“

Z.’s Gedanken kreisen im Moment vor allem um eine Frage: „War jemand, den ich kenne, in einem der Züge?“

„Hier auf dem Land ist alles etwas kleiner. Es kann gut sein, dass jemand an Bord war, den ich kenne. Ich hoffe derzeit einfach nur, dass es nicht so ist.“

Z. selbst hat am Dienstag viele Nachrichten bekommen. Freunde schrieben mir bei WhatsApp: „Das ist doch dein Zug???“. Immer wieder sei ein Satz gefallen: „Gott sei Dank sind Ferien.“

Am Montag muss Z. wieder in den Meridian in Richtung Holzkirchen einsteigen. Ein bisschen mulmig ist ihr zumute, wenn sie daran denkt.

Ob sie den Mut hat, sich mit ihrer Mutter zu versöhnen, bevor sie das nächste Mal Zug fährt, weiß sie noch nicht. „Ich würde es bereuen, wenn ich es nicht getan habe und mir oder ihr etwas so Schreckliches zustößt wie das, was heute in Bad Aibling passiert ist.“

*Name von der Redaktion geändert

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