POLITIK
08/02/2016 21:06 CET | Aktualisiert 08/02/2016 21:17 CET

Die nächste gigantische Flüchtlingswelle kommt Richtung Deutschland – und das ist der Grund

Die Menschen in Aleppo haben nur eine Chance: die Flucht.

„Sie sind umzingelt. Vom IS im Osten, vom Regime im Süden und von den Kurden im Westen“, sagte Ahmad Abdelaziz von der syrisch-amerikanischen medizinischen Gesellschaft der Nachrichtenagentur AP.

Die syrische Armee war in den vergangenen Tagen unterstützt durch russische Luftangriffe auf die Großstadt Aleppo vorgerückt. Die Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad schnitten die wichtigste Nachschubroute der Rebellen zur türkischen Grenze ab.

Aleppo war das wirtschaftliche Zentrum Syriens, die zweitgrößte Stadt

Also fliehen die Menschen, so lange sie noch können. Abertausende, nach türkischen Schätzungen 70.000, sind in den vergangenen Tagen zur türkischen Grenze gekommen.

Gut zwei Millionen Einwohner hatte die zweitgrößte Stadt Syriens vor Ausbruch des Krieges vor fünf Jahren. Jetzt ist davon nichts mehr übrig.

Eine Million

Der stellvertretende türkische Premier Numan Kurtulmus schätzt, dass im schlimmsten Fall eine Million Menschen aus der Stadt und dem Umland fliehen könnten.

Eine Million Menschen. Zusätzlich.

In der Türkei leben nach offiziellen Angaben bereits zweieinhalb Millionen syrische Flüchtlinge. Nach Angaben der „Süddeutschen Zeitung“ haben nur 15 Prozent von ihnen Platz in den Camps entlang der Grenze Platz gefunden. Die Türkei hatte am Wochenende die Grenzen dicht gemacht und will versuchen, die Menschen in Camps auf der syrischen Seite der Grenze zu versorgen. Ein neues Camp für 60.000 Menschen soll entstehen.

Es kann helfen. Aber es kann nicht die Lösung sein - nicht bei so vielen Menschen.

Türkei, Libanon, Jordanien - wo sollen die Flüchtlinge da noch hin?

Die Erfahrung hat gezeigt, dass viele Flüchtlinge erst einmal versuchen, sich nahe der Heimat über Wasser zu halten, bevor sie sich etwa nach Europa aufmachen. Aber ob das noch gilt?

Die Türkei kann diese Menschen kaum aufnehmen. Da kann Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) noch so sehr bitten. Im Libanon mit seinen weniger als fünf Millionen Einwohnern leben bereits eine Million syrische Flüchtlinge. In Jordanien mit seinen etwa 6,5 Millionen Einwohnern sind es laut Regierung 1,4 Millionen Syrer.

Die Menschen aus Aleppo werden versuchen, nach Europa zu kommen. Die zuletzt gesunkenen Flüchtlingszahlen werden steigen.

Das Drama könnte noch größer werden

Und das ist noch nicht das Ende der Hiobsbotschaften für die Syrer.

Ende vergangener Woche hatte Saudi-Arabien angekündigt, bei Bedarf Bodentruppen nach Syrien zu schicken. Offiziell, um den Islamischen Staat (IS) zu bekämpfen. Allerdings ist es kein Geheimnis, dass die Saudis lieber heute als morgen den Sturz von Machthaber Assad sehen wollen und seit Langem sunnitische Extremisten finanzieren, die genau darauf hinarbeiten.

Das wird sich der Iran, der sich als Schutzmacht Assads und aller Schiiten versteht, nicht bieten lassen. Und auch Russland wird da kaum zusehen. Von Seiten der schiitischen Hisbollah-Miliz aus dem Libanon könnte ebenso Ungemach drohen.

Am Wochenende haben auch noch die Vereinigten Arabischen Emirate angekündigt, an der Seite der Saudis Bodentruppen stellen zu wollen. Falls das international gewünscht werde.

Sollte dieses Szenario Wirklichkeit werden, könnten die Kämpfe in Syrien noch schlimmer werden und sich noch weiter ausbreiten - und am Ende noch mehr Menschen all ihrer Hoffnungen auf ein sicheres Leben berauben.

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