POLITIK
07/02/2016 13:18 CET | Aktualisiert 07/02/2016 14:40 CET

Österreichischer Honorarkonsul: "Marokkaner haben nichts zu verlieren"

dpa

In Österreich lässt sich ein Trend beobachten, den es auch in Deutschland gibt: Es kommen immer mehr Menschen aus nordafrikanischen Ländern an. Sie kommen aus Marokko, Algerien oder Tunesien – und haben so gut wie keine Chance, Asyl zu bekommen. Die Behörden wollen diese Menschen deswegen möglichst schnell wieder abschieben.

Aber das könnte laut Günther Fleischmann nicht so einfach werden. Er ist Honorarkonsul von Marokko in Österreich. Der Mann ist eigentlich Vermessungstechniker aus Salzburg, ist aber seit Jahren beruflich in den Maghreb-Staaten unterwegs.

Merkel und Seehofer wollen Marokkaner und Algerier schneller abschieben

Fleischmann hat einen nüchternen Blick auf die Situation der in Österreich lebenden Flüchtlinge aus Marokko, das im Interview mit der Tageszeitung „Krone“ darlegt.

Als Grund für die Flucht der jungen Marokkaner nennt Fleischmann die Perspektivlosigkeit im eigenen Land. "Seit Jahren gibt es in Marokko große Probleme mit der Arbeitslosigkeit", sagt Fleischmann. Zudem gäbe es viele studierte Menschen, die sich ein besseres Leben erhoffen.

Fleischmann hält es für unwahrscheinlich, dass Marokko die Flüchtlinge wieder zurücknimmt. Eine Abschiebung funktioniert nur, wenn der Staat kooperiert. Daran habe Marokko aber kein Interesse. „Sie haben genug Leute“, sagt Fleischmann. Die Bevölkerungszahl sei in den vergangenen Jahren stark gestiegen.

Hinzu komme: In Marokko drohe den Flüchtlingen bei der Rückkehr eine Gefängnisstrafe. "Um das Verhalten der Marokkaner zu verstehen, muss man sich eines klar vor Augen führen: Die haben einfach nichts zu verlieren. Zuhause würden sie ein paar Jahre kein Tageslicht sehen. Da geht keiner freiwillig zurück."

Fleischmann macht deswegen eine düstere Prognose: "Jene, die schon da sind, werden in der Illegalität abtauchen. Das machen sie alle."

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