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Über diese Karnevalswagen streitet Deutschland

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Karneval darf viel, ja. Dafür ist er da. Er soll vor allem Spaß machen, aber er soll mit seinen Umzügen und Festwagen auch provozieren, er soll zum Nachdenken anregen.

Aber es gibt selbst im Karneval Grenzen.

Und die sind in den vergangenen Tagen in mehreren deutschen Städten überschritten worden.

So fuhr im kleinen Städtchen Wasungen südwestlich von Erfurt ein Wagen mit der Aufschrift "Balkanexpress" durch die Straßen. Grün angemalt war die Papplokomotive. Vorne drauf stand der Schriftzug: "Die Plage kommt". Die Jecken trugen grüne Heuschreckenkostüme.

Hier ist der Wagen zu sehen:

karneval

Aber wer jetzt denkt, Wasungen sei eine Ausnahme gewesen, der irrt. Auch aus dem Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm in Bayern kam ein Wagen mit fremdenfeindlichen Aufschriften.


Auf einer Seite des Panzers ist auch der Schriftzug "Asylpaket III" zu lesen. Das gibt es bisher nicht - wahrscheinlich wünschen sich die "Fahrer", dass die Flüchtlinge an den Grenzen mit solchen Panzern (es handelt sich dabei um einen Wehrmachtspanzer) gestoppt werden. Sicher, es kann sich auch um Satire handeln, um einen Witz.

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Ist das wirklich noch witzig? Mitten in der Flüchtlingskrise, in der Deutschland gespalten ist wie nie und täglich Angriffe auf Flüchtlinge verübt werden, meinen manche Karnevalisten, sie müssten mit fremdenfeindlichen Wagen auffallen.

Wenn diese Gedanken - vielleicht als Witz getarnt - repräsentativ in der Öffentlichkeit herumgefahren werden, sagt das viel über das Land. Verachtung gegenüber anderen wird nicht mehr nur im stillen Kämmerlein gepflegt, sondern in aller Öffentlichkeit. Rechtes Gedankengut ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Hintergrund: "Menschen haben applaudiert und gejubelt" - Augenzeuge berichtet von umstrittenem Karnevalsumzug mit Weltkriegspanzer

Die SPD war auf Twitter schnell mit einem Vergleich zur Stelle und fühlte sich an die Karnevalswagen der NS-Zeit erinnert.

Vom TV-Sender MDR nach den Motiven für den Wagen befragt, behaupteten die Jecken in Wasungen zwar, dass sie die Flüchtlinge nicht als Plage sehen. Einer der Befragten sagte nur, dass die Wasunger "schon immer ihren Spaß gehabt hätten".

Was von dieser Art von Humor zu halten ist, fasst dieser Twitter-User zusammen:

UPDATE: Inzwischen ermitteln die Behörden wegen des Verdachts der Volksverhetzung im Fall des Panzers. Auf der Seite des Vereins OCV Steinkirchen, der den Umzug organisiert hatte, hagelte es scharfe Kritik. Der Verein betonte, es gebe keine rechtsradikalen Tendenzen unter den Mitgliedern. Auch Flüchtlinge seien integriert worden und beim Umzug mitgelaufen. Weiter wollte sich zunächst niemand zu dem Vorfall äußern. Der Verein kündigte eine offizielle Stellungnahme an.

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