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"Menschen haben applaudiert und gejubelt": Augenzeuge berichtet von umstrittenem Karnevalsumzug mit Weltkriegspanzer

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Es ist ein Foto, das deutschlandweit für Empörung gesorgt hat. Es zeigt einen Karnevalswagen im oberbayerischen Ilmtal bei Pfaffenhofen. Auf dem Panzer aus dem Zweiten Weltkrieg steht "Ilmtaler Asylabwehr" und "Asylpaket III". Viele Kommentatoren sahen die Zahl 142 als Hinweis auf die Wannseekonferenz an, auf der die Vernichtung der europäischen Juden beschlossen wurde. Die Konferenz fand am 20. Januar 1942 statt.

panzer

Inzwischen ermitteln die Behörden wegen des Verdachts auf Volksverhetzung.

Pikantes Detail: Laut einem Bericht des "Bayerischen Rundfunks" hat die Polizei den Umzugswagen selbst genehmigt. Der Vorsitzende des lokalen Karnevalsvereins sagte gegenüber dem "BR": "Unser Verein ist weder rechtsradikal noch sonst was. Die Polizei hat den Wagen vorher abgenommen und gesagt, da sei nichts rechtsradikal." Eine offizielle Stellungnahme soll morgen folgen.

Kein zweites Heidenau

Ausgelöst hat die Welle der Empörung der Schauspieler Florian Simbeck. Er ist vielen Fernsehzuschauern noch aus der Comedy-Reihe Erkan und Stefan bekannt. Simbeck schoss das Foto, als der Panzer in der Nähe seines Hauses in Reichertshausen im Ilmtal vorbeifuhr. Später postete er es auf Facebook.

Der Schauspieler hat mit der Huffington Post über den Vorfall gesprochen.

„Viele Menschen am Straßenrand haben applaudiert und gejubelt“, erzählt er. Dass der Wagen auch sarkastisch gemeint sein könnte, lässt Simbeck nicht gelten. Eine Kritik an den Äußerungen der AfD, die notfalls auch Flüchtlinge mit Waffengewalt an den deutschen Grenzen aufhalten möchte, hätte anders aussehen müssen, findet er.

Beängstigend an seiner Erzählung: Reichertshausen sei ein ganz normaler Ort. Eine große rechte Bewegung gebe es nicht. Die Menschen arbeiteten bei Audi oder BMW, sie seien „Profiteure der Globalisierung“. Reichertshausen sei kein „zweites Heidenau“, betont Simbeck.

Man darf nicht wegsehen

Deshalb hat es ihn überrascht, dass es auf der Straße so viel Zustimmung gab. Das zeige, dass die Menschen empfänglicher für rechte Parolen seien, als oft angenommen.

Gerade deshalb hat Simbeck das Foto des Panzers auch auf seinem Facebook-Account gepostet. „Man darf nicht wegsehen, wenn so etwas passiert“, sagt er. „Totschweigen bringt nichts.“ Wer bei solchen Vorfällen nicht seine Stimme erhebe, schaue auch bei anderen weit schlimmeren Vorfällen weg.

Simbeck schrieb unter das Foto des Panzers auf Facebook:

Der lustige Faschingswurm schlängelt sich wieder durchs Ilmtal und offenbart die Dummheit, Niederträchtigkeit und menschenverachtende Gesinnung einiger Beteiligter. Vermutlich längst vor dem demaskierenden Ruf nach einem Schießbefehl durch AfD Frontfrauke "Lucky Luke" Petry muss der Plan gereift sein, ein todbringendes "Asylpaket" in Form eines Schützenpanzers zu bauen. Wochenlange akribische Arbeit, deutsche Gründlichkeit wurden in die Erstellung dieses Scheusals gesteckt, aber keine Sekunde Zeit, keine Gehirnwindung frei, kein Raum im Herzen, um die tiefe widerliche, moralische Verwerflichkeit dieser Monstrosität zu erkennen.

Ebensowenig wie die Umstehenden hatte die Polizei reagiert, als der Panzer durch das Dorf fuhr. Die Polizei hielt den Panzer nicht an, wie ein Sprecher sagte. Es habe zwar den Anfangsverdacht der Volksverhetzung gegeben, allerdings spiele gerade bei Faschingsumzügen auch die Kunstfreiheit eine Rolle. Die Polizisten machten Fotos, die der Staatsanwaltschaft Ingolstadt für weitere Ermittlungen übergeben wurden.

Mit Material der dpa

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