POLITIK
06/02/2016 15:22 CET

Palmer: "Wir dürfen Flüchtlinge nicht idealisieren"

dpa

Keine Partei unterstützt Bundeskanzlerin Angela Merkels Flüchtlingspolitik so stark wie die Grünen. Tübingens Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) beobachtet mit Sorge die Verbreitung von Fremdenfeindlichkeit – und warnt im Interview mit der "Welt" gleichzeitig vor den Gefahren einer zu idealistischen Vorstellung von Flüchtlingen.

Der schnelle Stimmungswandel gegenüber Flüchtlingen in Deutschland überrascht Palmer nicht: "Ich war skeptisch gegenüber der Euphorie zu Beginn des massiven Flüchtlingszuzugs im vorigen Sommer, weil ich den Kater befürchtete, den wir jetzt haben."

Schnelle Integration durch Einwanderungsticket

Deutschland müsse jetzt aufpassen, dass das Pendel nicht in Richtung Fremdenfeindlichkeit ausschlage. Damit das nicht geschieht, hält der Grünen-Politiker vor allem eine schnelle Integration für notwendig.

"Wenn es uns nicht gelingt, die problematische Unterbringung in Großunterkünften (...) rasch aufzulösen und den Flüchtlingen Ausbildung oder Arbeit zu verschaffen, dann wächst die Gefahr, dass unter so vielen jungen Männern ohne Aufgabe einige auf Abwege geraten", so Palmer.

Deshalb pocht der Politiker auf ein Einwanderungsticket und eine Beschränkung der Zahl der Neuankömmlinge.

Rechte Gruppen profitieren von idealisierter Vorstellung von Flüchtlingen

Als wichtiges Mittel gegen Rechtspopulisten, die von der angespannten Lage profitieren, sieht der Politiker Realismus. Man dürfe kein "hehres und idealisiertes Bild von Flüchtlingen zeichnen".

Denn von enttäuschten Erwartungen der Bürger würden am Ende rechte Gruppen profitieren. Deshalb sei es besonders wichtig, der Öffentlichkeit die Probleme im Zusammenleben mit Flüchtlingen nicht vorzuenthalten.

Um Länder und Kommunen zu entlasten, hofft Palmer auf eine Einigung des Asylpaket II im Bundesrat. Die Einschränkung des Familiennachzugs hält der Politiker für "Symbolpolitik".

Der Familiennachzug funktioniere im Moment sowieso nicht richtig, weil die Behörden zu überlastet seien. Mittelfristig sieht er durch diese Regelung aber Probleme: "Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir Familien dauerhaft auseinanderreißen", sagte er.

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