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Diese Flüchtlinge richten Deutschland wirklich zugrunde

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In Österreich gibt es das schöne Wort "Intelligenzflüchtling".

Dabei handelt es sich nicht etwa um hochgebildete Menschen, die Syrien, den Irak oder Afghanistan aus Angst vor Krieg und Folter verlassen.

Nein, die Österreicher meinen damit Menschen, die derzeit wahrscheinlich die größte Bedrohung für unsere zivilisierte Gesellschaft sind: Nämlich Menschen, die ohne Unterlass auf Facebook und Twitter Hasskommentare in die Welt schicken.

Diese Intelligenzflüchtlinge sitzen stundenlang vor ihren Rechnern und hauen mit wutverzerrten Gesichtern Beleidigungen in die Tastaturen. Sie versteigen sich im Furor zu Verschwörungstheorien. Sie machen sich mit einem dunklen Überlegenheitsgefühl lächerlich über die "Mainstream-" oder "Mehrheitsmeinung". Die komplizierte Weltpolitik reduziert sich im Schein ihrer Schreibtischlampen auf ein paar einfache Erklärungen und Schuldige.

Gerüchte werden Wahrheit

Die Intelligenzflüchtlinge sind gegen Menschen, die Flüchtlingen helfen, gegen Politiker, gegen Journalisten, gegen "Gutmenschen" - eigentlich sind sie gegen alle, die versuchen, komplexe Sachverhalte auch als solche zu betrachten.

Das Schlimme an diesen "Flüchtlingen" ist, dass sie für keine Fakten, für keine Argumentation empfänglich sind. Gerüchte werden Wahrheit, Propaganda wird zur Grundlage von Argumenten.

Nur ein Beispiel: In den vergangenen Tagen wurde immer wieder über Vergewaltigungen durch Flüchtlinge berichtet. Die Meldungen verbreiteten sich in rasender Geschwindigkeit im Netz. Das Problem: Viele von diesen Geschichten waren frei erfunden.

Wer nach Belegen fragt, wird sofort als Gutmensch oder Merkel-Unterstützer abgekanzelt. Argumente? Fehlanzeige.

Auch dass die realen Flüchtlinge Mord und Totschlag über Deutschland bringen, ist für die "Intelligenzflüchtlinge" ausgemachte Sache (dass die Statistiken etwas anderes sagen, interessiert sie nicht).

Und es gibt noch ein weiteres Problem mit den Intelligenzflüchtlingen: In den sozialen Netzwerken leben sie wie in einer Blase.

Demonstranten auf der Straße müssen sich immer mit Gegendemonstranten auseinandersetzen. Die Kommentarspalten auf Facebook gleichen immer mehr einer riesigen digitalen Pegida-Demonstration - nur es fehlen die Gegendemonstranten.

Der Hass ergießt sich nicht nur im Netz

Und das ist genau der Punkt, an dem es gefährlich für unsere Demokratie wird. Denn wo es kaum mehr Gegenstimmen gibt, dort werden die Hetzer noch mehr in ihren Einstellungen bestärkt. Am Ende denken sie, sie seien in der Mehrheit.

Was hinzu kommt: Der Hass ergießt sich nicht nur im Netz. Er erobert auch gerade die analoge Welt. Anschläge und Drohungen gegen Politiker sind an der Tagesordnung, rechte Straftaten haben 2015 einen traurigen Rekordwert erreicht. Erst hetzt das Netz, dann brennen Flüchtlingsheime und Abgeordnetenbüros. Und es sind nicht mehr nur Neonazis, die Molotowcocktails schmeißen. Die Täter kommen aus der Mitte der Gesellschaft.

Diskussionen, Kompromisse, das Eingehen auf Argumente - all das gehört zu den Grundpfeilern unserer Demokratie. All das aber zählt im Hassstrudel des Netzes nicht mehr. Die Dummheit regiert.

Es ist kein Wunder, dass der derzeit erfolgreichste "Intelligenzflüchtling" der Welt - der US-Präsidentschaftskandidat Donald Trump - seinen Wahlkampf vor allem in den sozialen Medien vorantreibt. Allein über Twitter und Facebook erreicht er rund 10 Millionen Fans. Er erzielt damit mehr Reichweite, als eine klassische Nachrichtensendung oder jedes TV-Duell ihm bringen könnte.

Kommt ins Netz!

Mathias Müller von Blumencron, Chefredakteur der Onlineausgabe der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", schreibt über die aktuelle Stimmung im Netz: "Das Internet ist hässlich geworden, feindselig, erregt. Jetzt kommt ihm auch noch die Wahrheit abhanden."

Dazu passt eine Untersuchung der OECD. Sie konstatiert, dass in fast allen Ländern die Nutzer von sozialen Netzwerken intelligenter sind als der Bevölkerungsdurchschnitt. Ausnahme: Ja, man ahnt es ... Deutschland.

Was ist also zu tun?

Der Autor Sascha Lobo sandte kürzlich einen verzweifelten Hilferuf aus: "Bitte, mindestens durchschnittlich Begabte, kommt zu uns ins Netz! Diskutiert mit, redet mit, zeigt euch! Lasst uns nicht allein mit den stumpfen Horden."

Seine Botschaft: Die digitale Hassdemo braucht endlich eine Gegendemonstration.

Die "Intelligenzflüchtlinge" müssen wissen, dass sie nicht die Mehrheit sind; dass sie nicht für die Mehrheit sprechen. Sie müssen wissen, dass es da draußen auch andere Meinungen und Werte gibt - die nicht nur einige wenige Politiker, Journalisten und "Gutmenschen" vertreten. Nur dann lässt sich die Dummheit und der Hass im Netz bekämpfen.

Denn eins ist klar: Ignorieren lassen sich die Intelligenzflüchtlinge sich nicht mehr; die "Flüchtlingskrise" in Deutschland ist längst zu akut.

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