WIRTSCHAFT
04/02/2016 13:17 CET | Aktualisiert 04/02/2016 13:54 CET

"Die geheime Fressformel" - so verarscht uns die Lebensmittelindustrie

Creatas Images via Getty Images
Hühnchen.

Nicht nur TV-Junkies kennen das: Ist die Chips-Tüte erst einmal offen, gibt es kein Halten mehr. Innerhalb weniger Minuten wird deren Inhalt verputzt. Essen wir dagegen ein Brot, können wir uns leicht bremsen.

Doch warum schaltet sich unser Gehirn offenbar bei solchen Junkfood-Orgien aus? Gleich zwei Experten von "ZDFzeit" gingen dieser und anderen Fragen über unsere Lebensmittel mehrere Monate lang nach. Bei ihren Recherchen über die Tricks der Ernährungsindustrie machten der Lebensmitteltechniker Sebastian Lege sowie der Sternekoch Frank Buchholz schockierende Entdeckungen.

Dieser Trick funktioniert auch bei Ratten

Auf der Suche nach der „geheimen Fressformel“ sprachen die beiden mit verschiedenen Wissenschaftlern. Den Suchtfaktor bei Junkfood etwa erläutern anschaulich ein Forscher der Uni Erlangen. Das Resümee: Die chemische Zusammensetzung macht den Fressreiz aus - und nicht der Geschmack. So bestehen Chips zu mehr als einem Drittel aus Fett und zu 55 Prozent aus Kohlehydraten.

Kein Wunder also, dass auch Labor-Ratten die Snacks im Eiltempo bis zum letzten Happen hinunterschlingen. Die natürliche Fressgrenze setzt bei den Nagern auch aus, wenn es um Junk-Food geht.

Minderwertige Ware wird schmackhaft

Untersuchungen an Probanden zeigen, wie das menschliche Gehirn auf die Chips-Zusammensetzung reagiert. Und: Die magische Fressformel findet sich bei Pommes, Speiseeis, Tiefkühlpizza und vielen weiteren Industrieprodukten. Die Hersteller haben den Wert der 35-zu-55-Prozent-Zusammensetzung erkannt - und nützen diesen Trick, um ihre Produkte zu verkaufen.

170.000 industriell gefertigte Produkte gibt es laut „ZDF Zeit“ derzeit im Angebot deutscher Einzelhandelsketten. Wer hier als Anbieter überleben will, muss jeden Cent umdrehen und darf nichts unversucht lassen. Alles für einen möglichst hohen Anteil an den 250 Milliarden Euro, die jährlich mit Industrie-Lebensmitteln umgesetzt werden.

„Der enorme Konkurrenzdruck in der Lebensmittelindustrie sorgt dafür, dass Hersteller immer ausgefeiltere Tricks anwenden, um uns ihre oft minderwertigen Produkte schmackhaft zu machen“, analysieren die ZDF-Rechercheure.

Viele Kniffe sorgten dafür, dass minderwertige Zutaten teuer verkauft werden könnten. Um minderwertige Produkte schmackhaft zu machen, kommen etwa Maschinen mit gefährlich klingenden Namen wie Extruder oder Dehydrator, Hilfsmittel wie Lachgas, Stickstoff oder Wasserstoff zum Einsatz. Zutaten wie verkapseltes Salz, Zuckerlikör, Aromen und Extrakte sind aus der Herstellung unseres Essens ohnehin längst nicht mehr wegzudenken.

Die Geschichte vom Grillhühnchen

Klar ist den Experten zufolge zwar auch: „Nicht alle Industrie-Lebensmittel schaden Qualität oder Gesundheit.“ Manches dann aber doch: Etwa, wenn bei abgepackten Fleisch der Eindruck erweckt wird, dieses sei noch frisch, obwohl es das gar nicht mehr ist.

Die Wahrheit über Discounter-Steaks: Schaut dieses Video, bevor ihr Billig-Fleisch kauft

Anderes ist einfach nur eklig: Da ist etwa die Geschichte vom Grillhähnchen. Die französische Variante, die artgerecht aufgezogen und geschlachtet wird, kostet mehr als zwölf Euro pro Kilo. Beim deutschen Discounter gibt es gegrilltes Hähnchenfleisch für weniger als vier Euro pro Kilo.

Wie ist das möglich? „Das Fleisch ist von minderer Qualität“, erklärt Experte Lege. Damit es trotzdem hochwertig schmeckt, greift der Profi zur Würze: Wasser, Salz, Raucharoma und – ganz entscheidend – Hefeextrakt. Nach Glutamat ist dieser Inhaltsstoff die wichtigste Erfindung der Lebensmitteltechniker.

Die Würze spritzt Lege während der Sendung in die Hühnerbrust. So wirkt das Fleisch nicht nur praller, sondern soll auch besser schmecken, ganz so eben wie frisch vom Rost. Dabei ist es noch nicht einmal gegrillt, sondern im Dampfgarer zubereitet. Für das typische Grillmuster sorgen Brenneisen. Na, dann Mahlzeit!

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