POLITIK
03/02/2016 07:53 CET | Aktualisiert 03/02/2016 14:23 CET

Briefkastenfirmen und Strohmänner: Berlin macht seinen Flüchtlingsdeal mit fragwürdigen Partnern

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Flüchtlinge bei einem Hungerstreik vor dem Brandenburger Tor im Oktober 2015

Berlins Flüchtlingsunterkünfte sind heillos überfüllt. Das zwingt die Behörden dazu, Migranten auch in Hotels gegen eine Prämie unterzubringen. Doch das System hat gehörige Schwächen - und verleitet zum Missbrauch.

Die Stadt hat Probleme, vertrauenswürdige Partner zu finden. Schon im Oktober gab es Berichte über Hotels in Berlin, in denen Flüchtlinge unter unmöglichen Bedingungen leben. Im Hotel City 54 sollen nach einem Bericht von "Vice" bis zu 700 Flüchtlingen auf dem Raum leben, der eigentlich für 208 Touristen vorgesehen war.

Jetzt verhandelt Berlin über einen Großauftrag. Der Senat spricht mit einer Hotelkette über eine längerfristige Anmietung von 10.000 Hotelplätzen für Flüchtlinge. Das Unternehmen verlangt für die Unterbringung einen Preis von 50 Euro pro Bett und Nacht. Es geht um 22 Hotels - das Gesamtvolumen soll gut 600 Millionen Euro betragen.

Jetzt drohen die Verhandlungen über einen Großauftrag zu platzen. Die "FAZ" berichtet, dass die Gespräche mit der Hotelkette Grand City Hotels (GCH) daran scheitern könnten, dass zwei der möglichen Projektpartner zweifelhaft erscheinen.

Für die Hotelkette verhandele eine "Hampton Holding Ltd.". Die sei in London ansässig - in einem Gebäude, in dem mehr als 140 Briefkastenfirmen gemeldet sein sollen. Sie werde von dem Deutschen Ulrich Schmidt geleitet, der auch der einzige Mitarbeiter sein soll. Die Firma habe nur ein Kapital von 1000 Pfund. In der Senatsverwaltung wird nun kritisch gefragt, warum die GCH einen solchen "Strohmann" vorgeschickt habe.

Schmidt wolle als Betreiber der in Asylheime umgewandelten Hotels ein "Europäisches Integrationszentrum" durchsetzen. Das ist eine private Organisation, die etwa seit Sommer 2015 tätig ist, aber den Stadtverantwortlichen bislang nicht näher bekannt ist.

Briefkastenfirmen und Strohmänner - nicht gerade die idealen Partner für einen öffentlichen Auftrag, der Verantwortung für 10.000 Menschen beinhaltet. Der Berliner Senat scheint sich in seiner Verzweiflung mit zweifelhaften Partnern einzulassen.

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