POLITIK
03/02/2016 05:22 CET | Aktualisiert 03/02/2016 14:05 CET

"Putin schont den IS und tötet Zivilisten": Menschenrechtler werfen Russland eine schockierend zynische Syrien-Strategie vor

AP
Aufnahme eines russischen Luftangriffs in Syrien bei Aleppo

Es ist ein unglaublicher Vorwurf. Die Menschenrechtsgruppe "Raqqa Is Being Slaughtered Silently" wirft Russlands Militär vor, die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bei ihren Luftangriffen in Syrien bewusst zu verschonen, um stattdessen zivile Ziele zu bombardieren.

Ende September gab Wladimir Putin den Befehl zum Angriff. Russische Piloten bekamen den Auftrag, mit Luftangriffen in Syrien gegen den IS vorzugehen. Die Flugzeuge sollten vor allem Ölanlagen und Tankfahrzeuge angreifen, um den Ölhandel der Terrororganisation zu unterbinden.

Das russische Militär veröffentlichte Bilder von Luftangriffen. Doch schon bald wurden Vorwürfe laut, dass die Russen wahllos zivile Ziele wie Getreidesilos, Kläranlagen und Hilfskonvois angreifen. Zudem sollen die Piloten geächtete Clustermunition und Phosphor-Brandbomben einsetzen.

Jetzt wirft die Gruppe Putin vor, IS-Ölanlagen bewusst nicht anzugreifen. Russische Flugzeuge würden nur zivile Ölraffinerien und Fahrzeuge angreifen, während sie jene der Terrormiliz bewusst ignorierten. "Es sieht so aus, als würden die Russen so sehr versuchen, die Welt davon zu überzeugen, dass sie alle Einkommensquellen des IS durch diese Angriffe zerstören wollen", schreibt die Gruppe in einem Statement. Aber sie hätten den primitiven und begrenzten Ölhandel der Bevölkerung zum Ziel und würden nur Zivilisten treffen.

Dahinter stehe eine russische Strategie. Das Ziel des russischen Militäreinsatzes sei in erster Linie der Erhalt des Assad-Regimes in Syrien, nicht die Beseitigung des IS. Allerdings ist auch das Assad-Regime auf Öl und Gas angewiesen - und das liefert vor allem der IS. "Tatsächlich wissen die Russen genau um die engen wirtschaftlichen Öl-Verbindungen zwischen dem Regime und dem IS."

Die Russen wollen die Versorgung des Assad-Regimes nicht gefährden. Lastwagen, die Öl aus IS-Gebieten in Richtung des Gebietes des Assad-Regimes transportieren, würden nicht angegriffen. Auch Öl- und Gasquellen unter IS-Kontrolle würden nicht angegriffen. Genauso Pipelines, die Öl Richtung Westen transportierten. Auch Lastwagen, die Getreide an Mittelsmänner lieferten, die sie wiederum an das Assad-Regime liefern, würde nicht angegriffen.

Die russischen Luftangriffe auf die Stadt Rakka sollen ein anderes Ziel haben. Sie sollen nach Ansicht von "Raqqa Is Being Slaughtered Silently" die zivile Bevölkerung aus der Stadt vertreiben, damit diese nicht bei dem geplanten Angriff auf die IS-Hochburg im Weg seien. Daher würde auch die US-geführte Koalition die Angriffe auf die Zivilbevölkerung tolerieren.

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