Jens Spahn bei "Anne Will": "Junge Männer sind schwierig"

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JENS SPAHN
Jens Spahn bei "Anne Will" | ARD Mediathek
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Nach den sexuellen Übergriffen in Köln ist Deutschland gespalten. Die AfD forderte, Hilfesuchende an der Grenze mit Waffengewalt abzuwehren. In Freiburg wurde Flüchtlingen Diskoverbot erteilt. In Bornheim bei Bonn gibt es sogar für kurze Zeit ein Badeverbot für männliche Asylbewerber. Sind dies gerechtfertigte Maßnahmen - oder sind es sie ersten Anzeichen für um sich greifenden Rassismus und Diskriminierung? Das war das Thema bei Anne Wills Sendung mit dem Titel : "Kippt die Stimmung gegen Flüchtlinge?"

Hier die wichtigsten Aussagen der Gäste im Überblick:

Jens Spahn, CDU: "Männer mit geringerer Qualifikation sind in der Kriminalstatistik ganz oben"

Der CDU-Politiker betonte, dass die Integration von Asylbewerbern aus Nordafrika eine große Herausforderung sei. Kulturelle Unterschiede im Zusammenhang mit Übergriffen auf Frauen müssten benannt werden dürfen: "Wir machen uns nicht ehrlich bei der Integrationsaufgabe, die vor uns liegt."

"Junge Männer sind schwierig", sagte er. Gerade jene mit geringerer Qualifikation seien "in der Kriminalstatistik ganz oben mit dabei", betonte Spahn. Er wies darauf hin, dass genau diese Gruppe einen großen Teil der Flüchtlinge ausmache.

Die Gesellschaft müsse Menschen unterstützen, die Regeln einfordern - das sei nicht immer der Fall gewesen. "Ich stehe hinter dem Bademeister, der sagt: Hier gibt’s ein Hausverbot."

Auf den Einwurf des Rechtsanwalts Daimagüler, dass die deutsche Gesellschaft durch Flüchtlinge nicht "machohafter, antisemitischer und homophober“ würde, erwiderte er, "Das Frauenbild mancher wird nicht abgelegt dadurch, dass einer die Grenze überschreitet."

Er wehrte sich dagegen, die Stimmung auf dem Oktoberfest mit den Vorfällen in Köln zu vergleichen. Die sei eine "absurde Parodierung von dem, was passiert ist".

Mehmet Daimagüler, Anwalt im NSU-Prozess: "Durch Pauschalisierung werfen wir unsere Grundsätze über Bord"

Der Rechtsanwalt türkischer Abstammung, der die Opfer im NSU-Prozess vertritt, berichtet von der Diskriminierung, der er als Jugendlicher selbst ausgesetzt war: "Ich wurde auch nicht als Mehmet Daimagüler wahrgenommen", sondern wurde einfach als ein Türke gesehen, der in eine Disko "nicht rein durfte".

Migranten würden hierzulande häufiger angezeigt und säßen häufiger ein als Deutsche. Das kenne er aus seiner beruflichen Praxis. Er warf Jens Spahn vor, in Bezug auf Flüchtlinge zu pauschalisieren.

Als Spahn sich gegen diesen Vorwurf wehrte, holte der Rechtsanwalt, der sich nicht zwischen Duzen und Siezen entscheiden konnte, aus: "Wenn du einer gesamten Einwanderung unterstellst, dass sie frauenfeindlicher, homophober, machohafter wird - wenn das keine Pauschalisierung ist, was ist denn dann eine?“ so habe Spahn es in seinem Buch "Ins Offene. Deutschland, Europa und die Flüchtlinge" geschrieben.

Er warnte davor, pauschal über Menschen zu sprechen: "Ich glaube, dass wir Gefahr laufen, unsere eigenen Grundsätze über Bord zu werfen", erklärt Daimagüler.

Dieter Salomon, Oberbürgermeister von Freiburg: "Wir haben zu wenig Polizisten"

Der Grüne OB sagte, Integration sei "kein Ponyhof". Er äußerte Verständnis für Clubbetreiber, die Asylbewerbern den Zutritt verweigern. Man spreche in Freiburg von Grapschen und von "einem Eindringen in geschlossene Frauentoiletten".

Gruppen von jungen Männern aus Libyen, Eritrea und anderen Staaten Nordafrikas würden in Clubs der Stadt schon seit Jahren Probleme machen. Zu Freiburg sagte er: "Wir sind die Kriminalitätshauptstadt Baden-Württembergs." Das liege auch an der zu geringen Zahl von Beamten. "Wir haben zu wenig Polizisten", sagt der Grünen-Politiker. "Das habe ich seit sieben Jahren."

Daraufhin höhnte der CDU-Mann Spahn: "Das haben die Grünen doch bei Gorleben immer anders gesehen." Salomon erwiderte empört: "Aber das ist doch Quatsch!"

Anke Domscheit-Berg, Publizistin: "Nicht auf Nordafrikaner überfokussieren"

Die Publizistin warnt vor einer "Überfokussierung" auf Nordafrikaner als Täter. Alle Flüchtlinge, die sie kenne, "würden sich lieber eine Hand abhacken, als gewalttätig zu werden". Zuwanderer seien eine Chance: "Da kommen nicht nur eine Million Probleme, da kommen eine Million Lösungen."

Sie wehrte sich gegen die Wahrnehmung, dass Länder wie Ägypten und Marokko Gewalt gegen Frauen akzeptieren würden. "Sie sind weder eine Frau noch als Frau in Kairo allein über den Tahrir-Platz gegangen. Ich schon!", erwiderte sie auf die Forderung des CDUlers Spahn, dass kulturelle Unterschiede offen benannt werden müssten. Die Publizistin bezog sich damit auf die weltweit diskutierten Massenübergriffe auf Frauen auf dem Tahrir-Platz.

Eine ihrer Attacken auf die CDU verpuffte. Domscheit-Berg zeige ein Plakat der Jungen Union, auf dem der Unterleib einer Frau in einem String-Tanga neben dem Slogan "Wir gehen tiefer" zu sehen war. "Das ist aber 12 Jahre her", bemerkte Will und entwaffnete die Publizistin so.

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