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29/01/2016 05:14 CET | Aktualisiert 29/01/2016 11:55 CET

Warum mehr Menschen mit heller Hautfarbe an Heroin sterben

FotoMaximum via Getty Images
In den USA ist die Sterberate vor allem für weiße Frauen enorm gestiegen.

Es ist nicht der Anfangsbuchstabe ihrer Vornamen: Ikonen der Siebziger und Achtziger wie Janis Joplin, Jimi Hendrix oder Jim Morrison von den Doors haben alle etwas gemein - sie starben an einer Überdosis Heroin.

Die Droge breitet sich weiterhin rasant aus und tötet Menschen. In Amerika haben sich laut dem US-amerikanischen Gesundheitsministerium die Zahlen der Drogentoten durch Heroin in den letzten zehn Jahren verzehnfacht!

2004 starben in den USA noch etwa 1878 Menschen durch Heroin. 2014 sind es schon 10.574 Tote gewesen. Diese Zahlen werden jedes Jahr durch das Center for Disease Control and Prevention (CDC) aufgenommen. Aber die Auswertung bezieht auch demografische Daten, wie Alter, Herkunft und sozialen Stand mit ein.

Unter den Herointoten sind mehr hell- als dunkelhäutige Menschen. So wurde in einer Statistik aus dem Jahr 2014 deutlich, dass die Mehrheit der Drogentoten durch Heroin weiße Menschen ohne lateinamerikanischen Hintergrund waren. Die Zahlen der hellhäutigen Menschen, die an Heroin starben, sind von 2002 bis 2013 um 114 Prozent gestiegen. Die Zahlen für Menschen andere Herkunft oder Hautfarbe hat hingegen abgenommen.

Warum tötet Heroin vor allem Weiße? Im Gespräch mit Vice versucht Dr. Andrew Kolodny, leitender Oberarzt im Phoenix House, einer amerikanischen Entzugsklinik, zu erklären, wie diese Zahlen zustande gekommen sein könnten.

"Der entscheidende Faktor ist die Verfügbarkeit von Opiaten", sagte er. Kolodny vermutet einen Zusammenhang zwischen der Verschreibung von Schmerzmitteln und deren Abhängigkeit. So sei die Zahl an Menschen, die von Schmerzmitteln und Opiaten abhängig wurden, von 1997 bis 2011 um 900 Prozent gestiegen.

Paradoxerweise spielt die bessere Gesundheitsversorgung von Weißen eine Rolle. Laut einer Studie, die medizinische Daten zwischen 2007 und 2012 berücksichtigt hat, wurden hellhäutigen Menschen öfter und mehr Schmerzmittel verschrieben, als gesellschaftlichen Randgruppen. Diese Studie ist aber bei weitem nicht die Einzige, bei der sich Diskriminierungen innerhalb der Patientenversorgung feststellen lassen.

Eine weitere Ursache ist das Gesundheitssystem in den USA. Da mehr weiße Menschen besser versichert sind und somit öfter zum Arzt gehen, steigt damit auch die Möglichkeit Medikamente, verschrieben zu bekommen. Durch regelmäßige Arztbesuche, auch in keinen lebensbedrohlichen Situationen, entsteht zwischen Arzt und Patient ein vertrautes Verhältnis. Das führt wiederum dazu, dass Ärzte ihren Patienten schneller und häufiger verschreibungspflichtige Medikamente wie Oxicodon verschreiben. Derartige Schmerzmittel führen häufig zu einer Drogenabhängigkeit.

Auch Rassismus der Polizei spiele eine Rolle. So seien Drogendealer in Vororten, in denen mehr hellhäutige Menschen wohnen, weniger von polizeilichen Razzien betroffen, als die, die in städtischen Vierteln Afroamerikaner oder lateinamerikanische Gruppen beliefern. Laut Marcus Anthony Hunter, ein Professor am Institut für Soziologie und Afroamerikanischen Studien an der UCLA, dürfe man die typischen amerikanischen Vororte nicht für so unschuldig halten. Sie seien lang nicht so weit abseits von kriminellen Straftaten, wie man annimmt.

In Amerika besteht offensichtlich Handlungsbedarf. Nicht nur wegen der steigenden Zahl an hellhäutigen Menschen, die Opfer von Drogenmissbrauch werden. Auch die Gesamtzahl an Menschen, denen eine Drogenabhängigkeit zum Verhängnis wird, ist alarmierend.

Nahezu alle Heroinabhängigen konsumieren mindestens noch eine weitere Droge. Das CDC will die "Heroin-Epidemie bekämpfen. So soll einerseits an der Ausgabe an Einstiegsdrogen, wie verschreibungspflichtigen Schmerzmitteln, gearbeitet werden, um eine Heroinabhängigkeit zu verhindern. Anderseits soll die Behandlung der Sucht mit Ersatzdrogen wie Methadon und Nalaxon gefördert werden. Dafür bräuchte es mehr Ausgabestellen, an die sich Abhängige wenden können.

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