Die Schweiz stimmt ab: Vier Gründe, warum das Grundeinkommen ein Erfolg wird

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Immer wieder steht das bedingungslose Grundeinkommen auf der Diskussionsagenda der europäischen Staaten - in der Schweiz wird jetzt sogar darüber abgestimmt. Eine Initiative sorgt dafür, dass die Schweizer entscheiden, ob jeder von ihnen monatlich einen bestimmten Betrag überwiesen bekommen soll - egal, ob er arm oder reich, arbeitslos oder angestellt ist.

Um einen genauen Betrag geht es bei der Abstimmung am 5. Juni noch nicht. Im Raum für die späteren Details des Grundeinkommen-Gesetzes steht jedoch eine Summe von 2.500 Franken, also rund 2.250 Euro. Lassen sich dadurch viele soziale Probleme lösen? Oder wird alles nur teurer und ungerechter?

Im Interview mit "Spiegel Online" werben die inoffiziellen Anführer der Grundeinkommen-Initiative für ihre Idee. Daniel Häni und Philip Kovce stellen vier Thesen auf, wieso die Jedermann-Stütze in der Schweiz ein Erfolg werden soll.

1. Das Modell gibt den Menschen ihre Würde wieder
Wer von Grundeinkommen spricht, der denkt auch an Grundsicherung. Und die heißt in Deutschland Hartz IV. Auch bis in die Schweiz hat sich herumgesprochen, was dieses Modell der Arbeitslosenabsicherung für die Betroffenen bedeutet: eine "permanente und misstrauische Bedürftigkeitsprüfung", verbunden mit dem Zwang, auch prekär bezahlte Arbeiten anzunehmen - etwa als Ein-Euro-Jobs.

Häni und Kovce finden das "entwürdigend". Zudem sei bezahlte Arbeit "zu einem Fetisch verkommen". Zudem kämen "Maßnahmen, Überwachung, Verwaltung und nicht zuletzt die Entwürdigung" die Gesellschaft letztlich teurer zu stehen als eine großzügigere Summe, die an alle gezahlt werde.

2. Menschen stecken mehr Mühe in ihre Arbeit
Dass jeder ohnehin zu Geld kommt, hat mit Sicherheit einen bestimmten Effekt: Menschen werden sich sorgfältiger aussuchen, welche Arbeit sie annehmen. Was zählt, wäre dann künftig nicht mehr die Erhaltung des Lebensstandards, sondern Spaß an der Sache. "Meine Arbeit wird desto besser, je mehr ich mich mit ihr verbinde. Wer nur arbeitet, um über die Runden zu kommen, kann seine Leistung nicht voll entfalten", sagt Kovce.

Oder anders gesagt: "Wir können wesentlich produktiver werden, wenn unsere Existenz gesichert ist." Am produktivsten sind demnach Arbeiter mit Spaß an der Arbeit. Was ja ebenfalls folgerichtig klingt: Wer sich um sein Überleben nicht sorgen muss, der kann sich voll auf das konzentrieren, was er am Schreibtisch oder am Fließband tut.

3. Es wird ohnehin weniger Arbeitsplätze geben
Eine These, die man sicher als umstritten bezeichnen darf: Weil Computer und Roboter größere Teile der Arbeit übernehmen, blieben "nur noch wenige traditionelle Arbeitsplätze", meint Häni. Eine Prophezeiung, die sich in der Vergangenheit nie bestätigt hat. Doch diesmal haben sich wohl nicht ohne Grund Entscheider aus der Wirtschaft für das Modell ausgesprochen.

Die Macher der Initiative sind jedenfalls überzeugt, dass in der Digitalisierung alle Jobs an Software und Maschinen abgegeben werde, bei denen das möglich ist. Und das sei in sehr vielen Fällen so. In der Folge würde ein Basis-Einkommen "zur schieren Notwendigkeit".

4. Das größte Angstszenario wird nicht eintreten
Ein wesentlicher Grund, der gegen das Grundeinkommen spricht: die Angst vor Inflation. Wenn alle mehr Geld in der Tasche haben, kann man allen auch mehr davon abknöpfen - und die Preise erhöhen. Ein Szenario, das fast zwangsläufig eintreten muss, jedenfalls in der Theorie. Häni und Kovce sehen das anders: "In der Summe bleiben Einkommen und Konsumausgaben gleich."

Denn wahrscheinlicher sei, dass zu hohe Preise sinken und zu niedrige steigen - ein ungefährliches Nullsummenspiel. Der Ausgleich entscheide sich auch, wenn das erarbeitete Geld auf das Grundeinkommen angerechnet werde. Dann sei die Frage, ob man Überschüsse durch "Leistungs- oder Verbrauchssteuern wieder einsammeln" werde.

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