POLITIK
28/01/2016 05:57 CET | Aktualisiert 28/01/2016 07:08 CET

"Der AfD ist die Menschenwürde scheißegal": "Maischberger" zeigte, wie vergiftet das Klima in Deutschland ist

WDR
Frauke Petry, Ralf Stegner und Roger Köppel bei "Maischberger"

Was für eine Sendung. Kraftausdrücke, gegenseitiges Unterbrechen und Übertönen - zeitweise glaubte man, Sandra Maischberger müsse die Gäste ihrer Sendung "Tabupartei AfD – Deutschland auf dem Weg nach rechts?“ körperlich trennen.

Die AfD-Vorsitzende Frauke Petry stand im Mittelpunkt. Noch im vergangenen Sommer war ihre Partei auf dem Weg in die Bedeutungslosigkeit und dümpelte in Umfragen unter der Fünfprozentgrenze. Jetzt ist die Partei laut Umfragen zur drittstärksten politischen Kraft aufgestiegen.

Ist das nur ein Strohfeuer? Oder wird die AfD sich dauerhaft als politische Kraft etablieren? Und wie sollten andere Parteien mit den Rechtspopulisten umgehen - einfach ignorieren oder mit ihnen streiten und ihnen damit ein Forum bieten?

Ihr Fazit: "Wir haben uns über Regeln des Redens nicht einigen können." Zeitweise hielt sich Maischberger die Ohren zu oder ging mit ausgestreckten Armen dazwischen, als würde sie streitende Kinder auf dem Schulhof trennen.

Höcke ist kein Rassist

Petry wehrt sich gegen den Vorwurf, eine rechte Partei anzuführen. "Was sind sie für ein armes Geschöpf!", wehrte sie Kritik des SPD-Mannes Stegner ab.

"Wir wollen diese Partei keinesfalls weiter nach rechts rücken", sagte sie vor Aufzeichnung der Sendung und kündigte gleichzeitig einen "Durchmarsch bei den Landtagswahlen im März" an. In der Sendung gab sie auch ihre vielsagende Strategie für den Wahlsieg bekannt: "Wir brauchen die Ängstlichen, um Mehrheiten zu bewegen."

Interessant wurde es, als sie von Maischberger zu den Äußerungen des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke befragt wurde. Der hatte von einem "tausendjährigen Deutschland" und "unterschiedlichen Reproduktionsstrategien" von Europäern und Afrikanern gesprochen.

Maischberger fragte Petry, ob Höcke ein Rassist sein. Petry wich aus: "Herr Höcke wurde vom Bundesvorstand kritisiert. Die AfD ist nicht demokratiefeindlich.“ Doch die Moderatorin fragt noch dreimal nach. Petry nennt seine Worte erst "wissenschaftlich nicht akzeptabel" bis sie sich doch auf eine Aussage festlegt: "Herr Höcke ist kein Rassist."

Großspurig bedanke sie sich für die Wahlkampfhilfe, die sie durch den gescheiterten Talkshow-Boykott der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer erhalten habe. "Ich freue mich über jeden anderen Politiker, der den Mut hat, mit uns zu diskutieren.“

Die AfD will unsere Demokratie zugrunde richten

SPD-Mann Ralf Stegner sieht in der AfD eine rechtsradikale Partei, die mitverantwortlich für fremdenfeindliche Gewalttaten ist. "Ich halte Sie politisch für mitverantwortlich dafür, dass Nacht für Nacht Flüchtlingsheime brennen. Sie wollen unsere Demokratie zugrunde richten." Er möchte, dass der Verfassungsschutz die Partei beobachtet. "Eine normale Partei ist das nicht!"

Trotzdem solle man mit AfD-Vertretern in Talkshows reden: "Man muss die Leute von der AfD stellen."

Während der Sendung hält einer einen Steckbrief hoch, der ihn selbst zeigt mit der Überschrift "Wanted! Wegen Anstiftung zum Mord“. Er soll von Mitgliedern der AfD-Jugendorganisation stammen und zu Gewalt gegen Politiker anstacheln. Petry weicht wieder aus: "Ich persönlich würde keine Steckbriefe machen", sagt sie. Aber Partei Jugendorganisationen schlügen gerne mal über die Stränge.

Zu Höckes Äußerungen sagte er: "Die AfD betätigt sich als Schmutzfänger, weil es gar keine einfachen Lösungen gibt. Diese Partei würde das Land ins Unglück stürzen, wenn sie was zu sagen hätte."

Die SPD treibt den Rechten die Wähler zu

Der Schweizer Publizist Roger Köppel wiederum gibt SPD und Vertretern der Linken die Schuld an den Anschlägen auf Flüchtlingsheime. An den den Publizisten Jakob Augstein und Stegner gerichtet sagte er: "Das ist eine gefährliche Strategie, die Sie hier fahren. Leute wie Sie, die Konservative in die rechte Ecke stellen, schüren den Rechtsextremismus. In der Schweiz brennen keine Asylheime."

Zu Debatte um Dreyers Weigerung, mit der AfD im Fernsehen zu diskutieren sagte er: "Ich habe schon gestaunt, dass Sozialdemokraten sagen: Mit den Schmuddelkindern da reden wir nicht. Die SPD schürt den Rechtsextremismus und treibt den Rechten die Wähler zu.“

In einem Einspieler konfrontierte Maischberger ihn mit "Weltwoche"-Covern, die Karikaturen von Ausländern mit verzerrten Augen, Baseballschläger und Schlagringe zeigt oder gar die Frage "Muss der Islam verboten werden?"

Köppel findet dies vollkommen unbedenklich: "Ich habe dieses Cover hervorragend gefunden. Es geht um kriminelle Ausländer, das ist ein riesiges Problem. Es ist Aufgabe der Medien, diese Missstände aufzugreifen." Weil die Weltwoche dies anspräche, gäbe es in der Schweiz keine rechte Randale wie in Deutschland.

AfD ist der demokratische Arm der Rechtsradikalen

Der "Freitag"-Verleger und "Spiegel"-Kolumnist" Jakob Augstein nannte das Titelbild der Weltwoche "ein Stürmer-Cover“.

Wie Stegner sieht Augstein in der AfD eine Bedrohung der Demokratie und unterstellte ihr Verbindungen zu Rechtsradikalen: "Frau Petry ist ja nicht blöd. Sie macht eine Show. Sie ist der demokratische Arm der Leute, die auf der Straße die Ausländer jagen. Es ist das erste Mal, dass wir eine Bedrohung der parlamentarischen Demokratie haben." Der Verleger sagte: "Der AfD ist die Menschenwürde doch scheißegal."

Auch er sieht einen Fehler in Dreyers Weigerung, zusammen mit der AfD in einer Talkshow aufzutreten. "Die sollen sich selbst entlarven. Auch die, die die Demokratie zerstören wollen, müssen rein in die Arena. Die AfD ist nicht durch Talkshows groß geworden, sondern durch einen Rechtsruck in der Gesellschaft.“

Merkel ist dramatisch nach links gerückt

Hans-Olaf Henkel - der Mann, der einst für die AfD im Europaparlament saß, schien sich in dieser Sendung von seiner Schuld reinwaschen zu wollen, indem er sich demonstrativ von der Partei distanzierte: "Es ist nicht mehr meine Partei!", sagte er: "Wenn ich gewusst hätte, wie es ausgeht, hätte ich an der Kreation dieses Monsters nicht mitgewirkt. Die potenzielle Gefahr habe ich erst in dieser Partei gemerkt."

Er widersprach Augsteins Äußerung, dass es einen Rechtsruck in der Gesellschaft gebe. "Nein, es gibt keinen Rechtsruck, im Gegenteil. Frau Merkel sei dramatisch nach links gerückt." Da sich viele in der CDU nicht mehr repräsentiert sehen, suchen sie jetzt nach einer Alternative.

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