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Eine Kundin wollte sich nicht von einer Muslima bedienen lassen. So reagierte der Ladenbesitzer

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MUSLIMA APOTHEKE
Zwei Frauen mit neuen Kleidern | Getty
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Deutschland verändert sich. Ein Beispiel dafür ist eine Beschwerde, die der Bochumer Apotheker Jens Beuth von einer Kundin erhalten hat. Der Grund: Sie erblickte dort eine Mitarbeiterin mit Kopftuch und will deshalb die Apotheke nicht mehr betreten.

Darauf reagierte der Ladenbesitzer umgehend mit dieser Antwort:

Hallo zusammen!Mal wieder etwas in eigener Sache.Ich veröffentliche das mal anonym, damit sich jeder seine Meinung...

Posted by Jens Beuth on Montag, 25. Januar 2016

"Hallo zusammen!

Mal wieder etwas in eigener Sache.

Ich veröffentliche das mal anonym, damit sich jeder seine Meinung bilden kann!

Das erste ist eine Kundenbeschwerde, die mich heute morgen erreichte und das zweite Schreiben ist meine Antwort darauf!

Nachricht: Sehr geehrte Damen und Herren,

da ich mit Erschrecken fest stellen musste, dass Sie ein Mitarbeiterin mit muslischem Kopftuch beschäftigen, haben sie mich und meinen Mann als Kunden verloren. Wir können es definitiv nicht akzeptieren, dass mir durch diese Person nonverbal mitgeteilt wir, ich präsentiere mich also Sexualobjekt und dass meinen Mann unterstellt wird, dass er schon geil wird, sobald er ein paar Haare sieht. Integration läuft auf jeden Fall anders!

Leider muss ich noch ein bestelltes und bereits bezahltes Medikament abholen, aber danach werden mein und ich unsere benötigen Medikamente definitiv bei Ihrer Konkurrenz erwerben...

Mit kopftuchlosen Grüßen

Xxxxxxxxx

Sehr geehrte Frau Xxxxxxx,

ich glaube zwar, dass wir uns noch aus gemeinsamen Schultagen an der Xxxxx-Schule (Sie noch als Xxxxxxxxx) kennen, allerdings ist es mir doch lieber, beim "Sie" zu bleiben. Das geehrte hätte ich mir auch sparen können, aber mir fiel keine passende Anrede ein.

Normalerweise erwarten Sie jetzt, dass ich als Geschäftsmann einen floskelhaften Brief schreibe, Sie um Verständnis bitte oder mich für irgendetwas entschuldige, die Mitarbeiterin kündige oder Ihnen anbiete, zukünftig von jemand anderem bedient zu werden. Das ist aber nicht der Fall!!!

Das Leben ist zu kurz, um andere zu kritisieren, Druck auszuüben u.ä.

Ich beschäftige Christen, Muslime und Atheisten, dicke, dünne, große und kleine Frauen und Männer, von jung bis alt, blond bis schwarzhaarig, lange, kurze und auch ohne Haare! Wir haben Autofahrer/innen, Motorradfahrer/innen und nichtmotorisierte Mitarbeiter/innen, tätowierte, gepiercte, hellhäutige und Menschen mit dunklerer Hautfarbe. Außerdem haben wir Mitarbeiter/innen, die Fleisch essen, Vegetarier und Veganer. Fußballfans vom VfL 1848, S04 und BVB 09 und Nichtinteressierte! Ein Querschnitt aus der Bevölkerung!

Ich freue mich sehr, dass Sie selbst einsehen, beim nächsten mal in eine andere Apotheke zu gehen, da Sie bei uns definitiv nicht erwünscht sind. Da wir aber einen gesetzlichen Auftrag zur Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln haben, werden wir Sie im Notfall trotzdem fachgerecht und freundlich als Patientin begrüßen! Ist das nicht geil???

Ihr bestelltes Medikament dürfen Sie gerne bei uns abholen, wir erstatten Ihnen aber auch gerne den Betrag und geben Ihnen das Rezept zurück, falls Sie das Medikament lieber in einer "kopftuchlosen" Apotheke erwerben wollen. Und ja, Integration läuft anders, zumindest als Sie denken! Aber vielleicht möchten Sie sich ja noch selbst in Zukunft in die Gesellschaft integrieren und damit aufhören zu intrigieren!

Mit Ihrem Einverständnis schicke ich Ihren Brief und meine Antwort sehr gerne zusätzlich über Facebook, dann kann sich jede/r Leserin/Leser ihre/seine eigene Meinung bilden!!!

P.S.: was ist eigentlich ein muslisches Kopftuch???
Jens Beuth e.K.
farma-plus Apotheke Beuth im Ruhrpark
Am Einkaufszentrum 8
44791 Bochum"

Der Post von Jens Beuth stieß auf Facebook auf große Begeisterung und wurde über 10 000 Mal geteilt. In einem Gespräch mit der Huffington Post berichtete der Apotheker, dass er viele positive Rückmeldungen von Kunden in der Apotheke erhalten habe - sowie "ungefähr 150 Freundschaftsanfragen auf Facebook".

Weiter erzählte er: "Ich habe nicht damit gerechnet, dass das so weite Kreise zieht. Ich habe mich einfach nur so geärgert, als ich diesen Brief gelesen habe und wollte das nicht so stehen lassen."

Auch in den Kommentaren loben die Menschen die Haltung des Apothekers:

kommentar

kommentar2

Ja, Deutschland verändert sich. Aber zum Glück scheint es noch genug Menschen zu geben, die Diskriminierungen von Minderheiten falsch finden und sich nicht von Vorurteilen beeindrucken lassen.

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