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Bericht: Flüchtling soll nach tagelangem Warten vor Berliner Lageso gestorben sein

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LAGESO
dpa
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Update, Montagabend: Inzwischen ist klar, dass es sich um eine Falschmeldung handelt. Dies ergab eine Polizeibefragung des Helfers. "Wir haben keinen toten Flüchtling", sagte eine Sprecherin der Polizei.

Ein 24 Jahre alter Flüchtling in Berlin ist nach Angaben des Bündnisses "Moabit hilft" in der Nacht zum Mittwoch gestorben. Zuvor habe der Mann tagelang vor dem Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) angestanden.

Ein Helfer habe den stark fiebernden Mann am Dienstagabend zu sich nach Hause genommen, sagte eine Sprecherin des Bündnisses der Deutschen Presse-Agentur.

Wegen seines schlechten Zustandes sei der Mann von einem Krankenwagen abgeholt worden. Auf dem Weg habe er einen Herzstillstand erlitten - im Krankenhaus habe nur noch der Tod festgestellt werden können. Die Berliner Polizei prüfe den Fall, sagte eine Polizeisprecherin.

Massive Kritik an der Berliner Rathauskoalition kommt nun von Flüchtlingshelfern und der Linken: „Der tragische Todesfall wäre mit Sicherheit zu verhindern gewesen. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit hat der Tod des jungen Mannes mit den unmenschlichen Verhältnissen im Lageso zu tun“, sagt Andreas Tölke vom Verein „Be an Angel“ im Gespräch mit der Huffington Post. Die Organisation von Ehrenamtlichen kümmert sich seit langem um die Wartenden vor dem Lageso.

Noch sei nicht abschließend geklärt, wie es so weit kommen konnte. „Das muss jetzt rasch geklärt werden“, so Tölke.

Aus Sicht des Linken-Spitzenpolitikers Jan van Aken muss der mutmaßliche Vorfall auch politische Folgen haben: „Wenn das stimmt, muss der Berliner Innensenator Frank Henkel auf jeden Fall zurücktreten“, sagt der außenpolitische Sprecher der Linken-Bundestagsfraktion der Huffington Post. Auch für die Rathausspitze in der Bundeshauptstadt müsse „eine solche Katastrophe Folgen haben“.

Es sei „ein Skandal erster Güte, wenn in Deutschland jemand mitten in Berlin aufgrund zu langer Wartezeiten bei einer Behörde stirbt.“

Das Lageso steht seit Monaten in der Kritik. Flüchtlinge müssen vor der Berliner Behörde hungern und frieren. Leistungen werden nicht ausgezahlt. Die Wartezeiten seien unerträglich lange, berichten Flüchtlinge.

Auf Facebook meldete sich am Morgen eine Anwohnerin mit einem bewegenden Beitrag zu Wort.

"So. Soeben ist ein 24-jähriger Syrer, der tagelang am Lageso bei Minusgraden im Schneematsch angestanden hat, nach Fieber, Schüttelfrost, dann Herzstillstand im Krankenwagen, dann in der Notaufnahme - VERSTORBEN."

Hier lest ihr den ganzen Post:

So. Jetzt ist es geschehen. Soeben ist ein 24-jähriger Syrer, der tagelang am Lageso bei Minusgraden im Schneematsch...

Posted by Reyna Bruns on Dienstag, 26. Januar 2016

Update, Montagnachmittag:

Es mehren sich zunehmend Zweifel an der Darstellung von Moabit hilft: Die zuständige Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales betont, die Information habe sich nicht bestätigen lassen. "Wir haben alle Aufnahme-Krankenhäuser abgefragt", sagte eine Sprecherin der Behörde der Nachrichtenagentur dpa. "Dort gibt es keine Informationen darüber." Auch ein Sprecher der Feuerwehr sagte, sämtliche Einsätze des Rettungsdienstes in dem entsprechenden Zeitraum seien geprüft worden - allerdings ohne Ergebnis.

Der Flüchtlingshelfer, der im Internet vom angeblichen Tod eines Asylbewerbers in Berlin berichtet hat, will sich zunächst nicht mehr äußern. Das teilte das Bündnis "Moabit hilft" am Mittwoch vor dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (Lageso) mit. Das habe er in einer SMS mitgeteilt und darin auch erklärt, sich noch früh genug an die zuständigen Behörden wenden zu wollen.

Sein Telefon sei ausgeschaltet, und auch die Tür öffne er nicht. Die Polizei klingelte nach eigenen Angaben ebenfalls vergeblich. Der Helfer hat den Facebook-Eintrag mittlerweile gelöscht.

mit Material von dpa

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