POLITIK
26/01/2016 07:49 CET | Aktualisiert 21/05/2016 18:30 CEST

"Sie haben Humor": FDP-Chef Lindner und Frank Plasberg kriegen sich in die Haare

WDR Mediathek
FDP-Chef Christian Lindner bei "Hart aber fair"

CSU gegen CDU, SPD gegen CDU - und alle gegen Kanzlerin Angela Merkel. Die Flüchtlingskrise ist auch eine Krise der Großen Koalition. Normalerweise finden die Wortgefechte in Talkshows ja zwischen Politikern der Regierung und jener der Opposition statt. Doch man hat sich in den letzten Monaten daran gewöhnt, dass sich in den Talkrunden die Vertreter der Regierungsparteien verbal zerfleischen.

Was ist eigentlich aus der Opposition geworden? In Frank Plasbergs "Hart aber fair"-Sendung mit dem Titel "Angezählt - wie viel Zeit bleibt Merkel noch?" saß tatsächlich ein Vertreter der Opposition unter den Gästen, der FDP-Chef Christian Lindner. Doch statt sich wie erwartet mit der Regierungsseite zu zoffen, legte er sich erst einmal mit dem Moderator an.

Hier die wichtigsten Aussagen der Gäste im Überblick:

Christian Lindner, FDP-Chef: "Merkel leidet unter Realitätsverlust"

Lindner outete sich selbst als Verlegenheitsgast und brachte Plasberg damit in Verlegenheit. Der Moderator fragte ihn, warum man von der FDP in der Flüchtlingsdebatte so wenig höre und wieso sie sich nicht offensiver als Alternative für frustrierte Konservative anbiete. Da traf er offensichtlich bei Lindner einen wunden Punkt.

Lindner zu Plasberg: "Sie haben Humor!" Er warf Plasberg vor, nur die Regierungsparteien zu den Talkshows einzuladen: "Sie wissen, alleine in den letzten Monaten war ich in Ihrer Sendung zweimal eingeladen und wurde wieder ausgeladen, weil Regierungsvertreter Plätze besetzen sollten. Also können Sie aus der Ausladung Ihrer Redaktion nicht machen, dass wir zurückhaltend sind."

Plasberg reagierte überraschend gereizt: "Ich will das nur mal klarstellen. Sie können eine Sendung einfach nur machen, wenn da ein Verantwortlicher sitzt.“

Im Lauf der Sendung fand Lindner aber in seine Rolle und bot die FDP als Alternative zur CDU an. Er warf Merkel Realitätsverlust vor. "Wenn Frau Merkel auf dem nächsten Gipfel keine Änderung erreicht, muss Deutschland zum Recht zurück, weil wir sonst den anderen nicht zeigen, dass es ein europäisches Problem ist!"

Merkels Flüchtlingspolitik habe Deutschland in Europa isoliert. Sie habe anderen Staaten ihre ethischen Absichten aufgezwungen und Rechtspopulisten groß gemacht.

Lindner spielte darauf an, dass Merkel nach Ansicht von Kritikern einseitig das europäische Dublin-Abkommen außer Kraft gesetzt hat. Unter anderem Ungarns Regierungschef Viktor Orbán hatte es dann so dargestellt, als sei die Flüchtlingszahl damit ein deutsches Problem.

Elmar Brok, CDU-Europapolitiker: "Merkel hat unsere Unterstützung verdient"

Der CDU-Mann war offensichtlich als Verteidiger der Kanzlerin eingeladen worden. "Sie braucht Zeit und hat unsere Unterstützung verdient!", sagte Brok. Als Linder verlangte, der Staat müsse wieder Stärke zeigen, warf er dazwischen: "Das ist doch AfD!"

Plasberg sprang ein und hakte nach: "Ist das nicht böse, wenn man Herrn Lindner sofort die AfD-Keule entgegenhält, Herr Brok?" Der antwortete nicht, sondern wich aus. "Ich glaube, dass wir Methoden finden müssen, dass diejenigen, die keine Berechtigung haben, nicht mehr hineinkommen."

Der Moderator war an diesem Abend überraschend aggressiv. Als Brok anfing, die weitsichtige Flüchtlingspolitik der EU anzupreisen, fiel Plasberg ihm unwirsch ins Wort: "Was vor zwölf Jahren war, ist mir scheißegal."

Melanie Amann, Hauptstadt-Journalistin des "Spiegel": "Obergrenze ist Illusion"

Die Journalistin glaubt nicht, dass es in der CDU zu einem Aufstand gegen Merkel kommt: "Die sind dann doch zu staatstragend und murmeln vielleicht mal unter der Bettdecke: Merkel muss weg!", sagte sie über die Mitglieder der Regierungspartei.

Doch auch die SPD kam bei ihr nicht gut weg. Sie warf den Sozialdemokraten Orientierungslosigkeit vor. "Die SPD ist eine Wundertüte an politischen Ansichten in diesen Tagen!" Auch die CSU ging sie an: "Sie kreieren eine Illusion mit diesem Wort Obergrenze – als könnte man die Zahl der Flüchtlinge regulieren wie die Zahl der Brezn auf den Wiesn", sagte sie in Richtung des CSU-Mannes Kreuzer. "Diese Menschen kommen und sie wecken bei den Deutschen eine Illusion, als wäre das mit einer Obergrenze nicht mehr so!"

Thomas Oppermann, SPD: "Wir haben auch ohne CSU die Mehrheit"

Oppermann zeigte die Richtungslosigkeit seiner Partei: Er will die Zahl der Flüchtlinge begrenzen, aber trotzdem "humanitär" sein. "Wir brauchen Außengrenzen, die nicht frei passierbar sind. Das aber bedeutet nicht, dass es keine Türen gibt. Europa darf sich nicht abschotten. Wir müssen selbstverständlich unsere humanitären Verpflichtungen erfüllen.“

Der SPDler geriet in Schnappatmung, als Amann seine Partei als "Wundertüte" bezeichnete. "Da muss ich klar widersprechen! Wenn es in dieser Bundesregierung einen stabilen Faktor gegeben hat, dann war das die SPD.“ Doch die "Spiegel"-Frau ließ ihn souverän auflaufen: "Ja, sie haben stabil blockiert, das stimmt!“

Auch zur Kanzlerfrage äußerte er sich: "Wir hätten auch ohne CSU die Mehrheit", sagte er mit Blick auf den CSUler Kreuzer.

Thomas Kreuzer, CSU: "Nur durch Kontingente gehen die Zahlen zurück"

Der CSU-Politiker widersprach Oppermann. Er forderte eine Flüchtlingsquote, Kontingente und mehr Mut zu Ausweisungen. "Der entscheidende Punkt ist, dass die Menschen im Moment davon ausgehen können, dass sie alle nach Mitteleuropa gelangen. Deshalb haben wir diese Vielzahl an Menschen."

Die Lösung sei eine Grenzschließung und Kontingente: "Eine entsprechende Grenzsicherung kann dazu führen, dass man nicht mehr nach Mitteleuropa kommt, wenn man nicht in einem Kontingent ist. Nur dann gehen die Zahlen zurück!“

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