Huffpost Germany

AfD-Frau bei "Anne Will": "Merkel geht nach Chile ins Exil"

Veröffentlicht: Aktualisiert:
AFD
Die stellvertretende Bundessprecherin der AfD Beatrix von Storch bei "Anne Will" | ARD Mediathek
Drucken

Österreich hat die Obergrenze für Flüchtlinge eingeführt. Sollte Deutschland den gleichen Schritt gehen? Darüber diskutierten die Gäste bei "Anne Will" am Sonntagabend.

Schon die Gästeliste dieser Talkshow sprach Bände. SPD und Grüne - nicht vorhanden. Scheinbar haben diese Parteien in der Flüchtlingskrise nach Ansicht der Redaktion nicht mehr viel zu sagen. Dafür saßen Vertreter mit Hans-Peter Friedrich, Armin Laschet und Beatrix von Storch Vertreter von CSU, CDU und AfD in der Runde.

Auch die Anmoderation von Will war vielsagend. "Herr Friedrich und Frau von Storch sagen...", begann Will ihre Sendung. Mit ihren ersten Worten brachte sie zum Ausdruck, dass AfD und CSU sich in diesen Tagen inhaltlich näher stehen als die beiden Schwesterparteien CSU und CDU.

Beatrix von Storch, stellvertretende Bundessprecherin der AfD: "Merkel geht nach Chile oder Südamerika!"

Beängstigend: AfD steigt zur drittstärksten Partei in Deutschland auf

Von Storch, deren Partei mittlerweile drittstärkste Kraft in Deutschland ist, gab an, dass sie die Flüchtlingsdebatte "versachlichen" wollte. Doch das gelang ihr nicht - im Gegenteil. "Die Menschen, die zu uns kommen, sind keine Flüchtlinge", sagte sie. Denn die seien in Österreich ja in Sicherheit. Auch Integration müsse gar nicht sein. Denn das Problem der allzu vielen Flüchtlinge sei nur eines für zwei, drei Jahre. Dann würden diese nach Ende des Krieges ohnehin wieder in die Heimat zurückziehen. Zu viel Integration müsse also gar nicht sein.

Will erwischte sie kalt, als sie aus einem Facebook-Post der AfD-Politikerin vorlas. "Die Kanzlerin ruiniert unser Land wie seit 1945 keiner mehr. Ich nehme Wetten an, wenn Merkel zurücktritt, dann wird sie das Land verlassen – aus Sicherheitsgründen."

Will hakte nach, was von Storch damit genau meine - "aus Sicherheitsgründen"? Zuerst wich von Storch aus und sagte nur, dass sich Deutschland zurzeit in der schwersten Krise seit dem Krieg befinde. Doch dann sprach sie Klartext: "Damit meine ich, dass das Gerücht war, dass sie nach Chile oder Südamerika geht." Wo genau sie dieses Gerücht aufgeschnappt hatte, sagte sie nicht.

Laschet schnaubte: "Unfassbar!" Und will fragte Storch entgeistert: "Sie wollen doch nicht sagen, dass sie damit versachlichen?"

Armin Laschet, stellvertretender Parteichef der CDU: "Grenzkontrollen kosten deutsche Unternehmen Milliarden"

Wie zu erwarten, verteidigte Laschet die Kanzlerin. Er erklärte, dass Wirtschaftsverbände vor einem Zerfall des Schengen-Systems warnen. Wenn wieder Grenzkontrollen eingeführt würden, würden die deutsche Unternehmen Milliarden kosten. "Wenn die wieder alle an Zollhäuschen stehen, sehe ich das europäische Binnenmarktsystem gefährdet."

Das müsse Merkel berücksichtigen, bevor sie einer Schließung der Grenzen zustimmt. Er verteidigte die Kanzlerin auch gegen den Vorwurf, sie habe Flüchtlinge nach Deutschland "eingeladen". Schließlich haben sie schon im August gesagt, dass "nicht jeder hierbleiben" könne. Von Storch unterbrach ihn: "Aber keine Obergrenze!" Hier platzte Laschet der Kragen: "Sie mit ihrer Obergrenze. Ihr Untergrenzen-Niveau haben wir eben schon gehört!"

Hans-Peter Friedrich, stellvertretender Unions-Fraktionschef der CSU: "Gesetz und Ordnung an den Grenzen wiederherstellen"

Inhaltlich fand sich der CSU-Mann bei AfD-Frau von Storch wieder. Beide nannten Deutschland einen "Magneten", der mit seiner "Willkommenskultur" Migranten anlocke. Als Will ihn fragte, ob es eine Flüchtlingspolitik nur mit Merkel gebe, wand Friedrich sich und wich aus: "Ich verlange, dass Recht, Gesetz und Ordnung an den Grenzen wiederhergestellt werden." Er gab die bekannten CSU-Positionen wieder: "Deutschland ist am Ende seiner Möglichkeiten." Und: "Wenn wir unsere Grenzen nicht mehr schützen können, haben wir kapituliert." Ähnliche Sätze gab auch von Storch von sich - und stahl dem CSU-Mann somit seinen Auftritt als "Klartext"-Redner.

Heinrich Bedford-Strohm, Vorsitzender des Rates der Evangelischen Kirche: "Was passiert dann mit den Menschen, die aus der EU rausgehalten werden?"

Bedford-Strohm verteidigte mit moralischen Argumenten die Politik der Kanzlerin. Wobei er nicht naiv argumentierte - auch er tritt für ein Absenken der Flüchtlingszahlen ein. Doch dabei erinnerte er CSU-Mann Friedrich an das "C" im Namen seiner Partei: "Christlich muss doch heißen, dass Gottesliebe und Nächstenliebe untrennbar miteinander verbunden sind."

Bedford-Strohm wollte von Friedrich wissen, wie genau eine Obergrenze aussehen solle: "Was passiert dann mit den Menschen, die aus der EU rausgehalten werden? Ich möchte wirklich mal eine Antwort haben auf die Frage!“, fragte er entrüstet. Friedrichs Antwort: "Es ist nicht christlich, den Menschen Hoffnungen zu machen, die sie gar nicht erfüllen können." Wills Kommentar: "Sie weichen aus!"

Auch auf HuffPost

Super-Wahltag ist Tag der Entscheidung: Vier Statistiken: Darum entscheidet sich Merkels Schicksal in sieben Wochen

Lesenswert:

Ihr habt auch ein spannendes Thema?
Die Huffington Post ist eine Debattenplattform für alle Perspektiven. Wenn ihr die Diskussion zu politischen oder gesellschaftlichen Themen vorantreiben wollt, schickt eure Idee an unser Blogteam unter
blog@huffingtonpost.de
.