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Wohnungssuchende Rumänin klagt an: „Wir als Ausländer sollen nur arbeiten, arbeiten und Steuern zahlen"

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NICOLETTA
Nicoletta L. | Lill
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Eigentlich verdient Nicoletta L. gut. Auf 2800 Euro netto im Monat kommt sie gemeinsam mit ihrem Mann. Auch im teuren Großraum München kann man davon leben.

Mit ihren beiden Söhnen und deren Familien leben sie in einer Wohnung in Putzbrunn nahe der bayerischen Landeshauptstadt. 950 Euro Warmmiete kostet sie pro Monat.

Doch nun müssen sie ihre Wohnung verlassen. Der Vermieter hat den Vertrag gekündigt. „Ich weiß nicht, wie es weitergeht“, sagt sie. Dutzende Wohnungen in München und dem Umland habe sie in den vergangenen sechs Monaten angesehen.

„Ich rufe Sie dann an“

Die Vermieter hätten immer gesagt: „Ich rufe Sie dann an.“ Doch das Telefon klingelte einfach nicht.

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Nicoletta L. glaubt die Ursache für die vielen Absagen zu kennen: „Ich werde als Ausländerin bei der Wohnungssuche benachteiligt.“

„Wir haben keine Rechte. Nur die Deutschen haben Rechte. Wir als Ausländer sollen nur arbeiten, arbeiten und Steuern zahlen“, sagt die Migrantin. Gerade als Rumänin werde sie im Alltag diskriminiert.

"Frau Merkel sollte nicht nur für die Deutschen und die Flüchtlinge etwas tun“

Nicoletta L. sitzt auf einer riesigen Couch, die einen großen Teil der Wohnungsfläche ausmacht. Im Hintergrund schreit ihr Enkel. Doch sie lässt sich nicht irritieren, kommt richtig in Fahrt: „Frau Merkel sollte nicht nur für die Deutschen und die Flüchtlinge etwas tun.“ Auch die hier lebenden Ausländer hätten Rechte.

50 Stunden arbeitet die Rumänin, als Küchenhilfe und Putzfrau. Die 40-Jährige hat tiefe Augenringe. „Ich arbeite hart“, sagt sie. In den sechs Jahren, seit sie in Deutschland lebt, sei sie nur einen Monat lang arbeitslos gewesen.

Nicoletta L. fühlt sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel im Stich gelassen. Die CDU-Chefin und die Bundesregierung lasse die Mittelschicht, ärmere Menschen und vor allem die Wohnungslosen im Stich. "Die Politik muss dafür sorgen, dass es für jeden, der hier arbeitet, eine Wohnung gibt."

Bereits 335.000 Wohnungslose

Und sie ist mit dieser Einschätzung nicht alleine: Der Mietmarkt war in den großen Städten bereits vor Beginn der Flüchtlingskrise für Geringverdiener und Teile der Mittelschicht zunehmend unbezahlbar geworden. Bundesweit hatten der Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe zufolge im vergangenen Jahr bereits 335.000 Menschen keine Wohnung.

Im Jahr 2018 sollen es bereits 560.000 sein. Von 2002 bis 2013 hat sich die Anzahl der Sozialwohnungen laut dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales deutschlandweit von 2,47 Millionen auf 1,47 Millionen beinahe halbiert. Dem Paritätischen Wohlfahrtsverband zufolge würde es alleine rund 4,5 Milliarden Euro jährlich kosten, den Bestand an sozialem Wohnraum dauerhaft zu halten. Doch der Bund hat zuletzt gerade einmal eine Milliarde Euro für diesen Zweck bewilligt.

Zumindest die Sozialdemokraten haben mittlerweile den Ernst der Lage offenbar erkannt: Bauministerin Barbara Hendricks (SPD) legte in dieser Woche im Kabinett eine Reihe von Vorschlägen vor. Dazu gehört immerhin eine erneute Verdoppelung der Finanzmittel des Bundes für den sozialen Wohnungsbau auf zwei Milliarden Euro pro Jahr – noch blocken jedoch Teile der Union.

„Hoffentlich findet sich noch ein Vermieter mit Herz“

Für Nicoletta L. kommt diese Maßnahme jedoch ohnehin zu spät. Sie hat Angst, bald mit ihrer Familie trotz Arbeit in einer Obdachloseneinrichtung zu enden. Die Rumänin wünscht sich nichts sehnlicher als eine Wohnung. „Hoffentlich findet sich noch ein Vermieter mit Herz.“

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