POLITIK
23/01/2016 22:50 CET | Aktualisiert 24/01/2016 09:55 CET

Ein Kriminologe erklärt, warum manche Flüchtlingsgruppen mehr Straftaten begehen als andere

dpa
Ein Kriminologe erklärt, warum manche Flüchtlingsgruppen mehr Straftaten begehen als andere

Die Silvesternacht in Köln hat Deutschland verändert.

Sie hat Angst gemacht. Angst davor, selbst Opfer von Übergriffen zu werden. Angst davor, dass die Rechten jetzt so richtig loslegen. Angst, dass jetzt jede Differenzierung in der Diskussion über die Flüchtlingskrise verloren geht.

Nach der Angst kam die Ratlosigkeit, die nur deswegen nicht auffiel, weil sie sich gut versteckte hinter aufgeregten Forderungen, berechtigten Vorwürfen.

Und jetzt, Stück für Stück, kommen Thesen ans Licht, die erklären könnten, was hier eigentlich passiert. Und warum.

Es wird diskutiert über die Rolle der Religion der mutmaßlichen Täter. Die Rolle der patriarchalischen Heimatgesellschaften. Die Erziehung. Die lasche Außenwirkung der deutschen Gesetze.

Was all die Thesen aber nicht erklären konnten: Wieso Zuwanderergruppen wie Syrer besonders selten negativ auffallen, Nordafrikaner zum Beispiel dagegen besonders häufig.

In einem Gastbeitrag für die „Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung“ („FAS“) hat Deutschlands bekanntester Kriminologe, Christian Pfeiffer, eine spannende Erklärung beigesteuert. Pfeiffer ist für klare Worte bekannt. Er war bis 2015 Leiter des Kriminologischen Institutes Niedersachsen und lehrt jetzt als Gastprofessor am John Jay College of Criminal Justice in New York.

Pfeiffer schreibt von einer „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ innerhalb der Migranten.

  • Auf der einen Seite stünden „privilegierte Kriegsflüchtlinge“ mit besten Chancen auf Bleiberecht, etwa aus Syrien und dem Irak. Menschen, die ihre Chancen nicht durch Straftaten zunichte machen wollten.
  • Auf der anderen Seite stünden die „Wirtschaftsflüchtlinge“ mit geringsten Asylchancen. „Diese Perspektivlosigkeit erzeugt ein hohes Kriminalitätsrisiko“, schreibt der Kriminologe. Sie hätten viel Geld in Schleuser investiert, große Gefahren auf sich genommen und würden vermutlich lieber illegal hierbleiben als als Verlierer heimzukehren.

Die Folgerung des Kriminologen:

  • Er vermutet, dass diese „primär aus Afghanistan, aus dem Kosovo und aus Albanien gekommenen Flüchtlinge überwiegend angepasst verhalten würden, wenn man auch ihnen ausnahmsweise einen legalen Aufenthaltsstatus gäbe“. Auf Nordafrikaner geht Pfeiffer nicht ein, allerdings würde seine Theorie auch auf die Vita vieler Männer von dort passen.
  • Allerdings weist Pfeiffer auch darauf hin, dass eine fehlende individuelle Kontrolle bei der Einreise die „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ verstärkt habe. Kritiker der aktuellen Politik werden diese Argument also auch verwenden können, um eine Ausweitung der Grenzkontrollen zu legitimieren.

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