POLITIK
22/01/2016 07:31 CET | Aktualisiert 22/01/2016 07:38 CET

Polonium-Mord: Ließ Putin Litwinenko wegen eines einzigen Satzes umbringen?

dpa
Der Mord an einem Oppositionellen belastet das Verhältnis zwischen Großbritannien und Russland

Der Vorwurf schlägt hohe Wellen in London und Moskau: Russlands Präsident Wladimir Putin hat einem Untersuchungsbericht zufolge "wahrscheinlich" den Mord an Kreml-Gegner Alexander Litwinenko gebilligt. Der im Londoner Exil lebende Russe war 2006 mit radioaktivem Polonium 210 vergiftet worden.

Den Mord habe "sehr wahrscheinlich" der russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben, Putin habe "wahrscheinlich" zugestimmt, heißt es in dem am Donnerstag in London vorgelegten Abschlussbericht einer öffentlichen gerichtlichen Untersuchung.

Jetzt gibt es neue Gerüchte über den Grund für den Mord. Wie die britische Zeitung "Daily Mail" berichtet, habe Litwinenko Putin eines unglaublichen Verbrechens bezichtigt: "Putin ist pädophil", hatte der Oppositionelle in einem Blog geschrieben.

Vorwürfe sind gravierend

Indiz dafür ist ein Vorfall, bei dem der russische Regierungschef einen kleinen Jungen auf den Bauch küsst. Ein Foto ist in diesem Tweet zu sehen:

Außerdem soll Litwinenko behauptet haben, dass ein Video existiere, auf dem zu sehen ist, wie Putin einen Jungen missbraucht. Diese Vorwürfe sprach auch der britische Richter Robert Owen an, unter dessen Leitung der Report angefertigt an. Die Vorwürfe, die Litwinenko in seinem Blog macht seien gravierend und könnten ein Motiv für die Tat sein, schrieb der Richter.

Litwinenko gehörte zu den schärfsten Kritikern des Kremls. Unter anderem hatte er den russischen Geheimdienst beschuldigt, für Bombenanschläge auf Wohnhäuser in Russland verantwortlich zu sein, die 1999 einen Vorwand für den zweiten Tschetschenien-Krieg liefern sollten.

Seine Frau Marina hatte die gerichtliche Untersuchung gegen den Willen der britischen Regierung durchgesetzt. Auf dem Sterbebett hatte Litwinenko Putin beschuldigt, den Mord in Auftrag gegeben zu haben. Sie sei froh, dass dies nun bestätigt worden sei, sagte die Witwe.

Ergebnisse tief verstörend

Beweise für das Mitwissen oder die Zustimmung Putins legte Richter Owen nicht vor. Für seine Schlussfolgerung spräche aber die Kommandostruktur des Geheimdienstes, über die Zeugen in den Anhörungen gesprochen hatten. Für erwiesen hält er, dass die beiden tatverdächtigen Russen Andrej Lugowoi und Dmitri Kowtun absichtlich töteten, indem sie seinen Tee mit dem radioaktiven Gift verseuchten. Russland lehnt die Auslieferung der beiden bisher strikt ab.

Die britische Regierung nannte die Ergebnisse "tief verstörend" und verurteilte die Tat als "inakzeptablen Bruch internationalen Rechts". Der britische Premierminister David Cameron sprach von einer "entsetzlichen" Tat und drohte ein härteres Vorgehen gegen Moskau an, nannte aber keine Einzelheiten. Allerdings fügte er hinzu, London müsse auch künftig "eine Art von Beziehung" mit Moskau haben.

Auch Russland reagierte auf die Vorwürfe. Leider könne der Bericht das bilaterale Verhältnis noch stärker belasten, warnte Russlands Präsidentensprecher Dmitri Peskow. Russische Geheimdienste seien nicht verwickelt. "Der Bericht basiert auf Formulierungen wie "möglich" und "wahrscheinlich" und kann die Atmosphäre der Beziehungen vergiften", sagte Peskow der Agentur Interfax in Moskau. Die englischen Ermittlungen seien nicht objektiv.

Das Ergebnis des "Pseudogerichtsverfahrens" sei "widersprüchlich und verbrecherisch", erklärte das Außenministerium in Moskau. "Das Spiel hinter den Kulissen hatte nur ein Ziel: Russland und seine Führung anzuschwärzen", sagte Sprecherin Maria Sacharowa der Agentur Interfax zufolge.

Mit Material der dpa

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