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22/01/2016 17:48 CET | Aktualisiert 22/01/2016 17:53 CET

Griechischer Außenminister: "Wenn wir Flüchtlinge stoppen wollen, müssen wir Krieg gegen sie führen"

dpa

Der griechische Außenminister Nokis Kotzias glaubt, dass eine Grenzschließung in Deutschland "gar nichts" bringen würde. Das sagte der Politiker im Interview mit der "taz".

Die Flüchtlinge würden trotzdem über verschiedene Routen nach Deutschland gelangen. Als Beispiel nannte er die USA, die selbst durch einen Grenzzaun die illegale Einwanderung aus Mexiko nicht unterbinden können. "Keine Mauer kann die Flüchtlinge aufhalten", sagte der Grieche. Davor, dass Griechenland letztendlich mit den Flüchtlingen alleine gelassen würde, habe er deswegen keine Angst.

Kotzias warnt aber dennoch davor, die Flucht zu erschweren. Seiner Meinung nach würde das den Flüchtlingsstrom nicht stoppen, sondern nur die Preise der Schlepper in die Höhe treiben: "Jetzt wollen sie nur Geld. Aber sie könnten dann zum Beispiel mit Körperteilen handeln, etwa mit Nieren", vermutete er im "taz"-Interview.

"Wenn wir die Flüchtlinge stoppen wollten, müssten wir Krieg gegen sie führen", entgegnete er auf die Vorwürfe, dass Griechenland seine EU-Außengrenzen besser mit Booten schützen könnte. "Wir müssten sie bombardieren, ihre Boote versenken und die Menschen ertrinken lassen." Das bezeichnet er nicht nur aus internationalem Recht als ausgeschlossen.

Er kritisiert deswegen diejenigen EU-Außenminister, auf den Sitzungen der Minister schweigen würden und "ihren Medien zu Hause erzählen, die Griechen würden ihre Hausaufgaben nicht machen".

Auch auf die größere Zuwanderung aus den Maghreb-Staaten kam er zu sprechen. Marokko und Algerien zu "sicheren Herkunftsländern" zu erklären, hält er für keine sinnvolle Lösung. Er glaube, es wäre effektiver, wenn die türkische Regierung wieder eine Visumspflicht für Marokkaner und Algerier einführen würde. Dann könnten sie nicht "für 40 Euro nach Istanbul fliegen und sich in ein Schlauchboot setzen".

Es gab jedoch auch positive Nachrichten: Laut Kotzias würden mittlerweile die unterstützenden Frontex-Kräfte "angepasst" arbeiten - heißt rund um die Uhr. Dadurch Sei es anders als noch im Sommer mittlerweile möglich, die Daten aller Flüchtling bei ihrer Ankunft zu erfassen.

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