POLITIK
21/01/2016 10:44 CET | Aktualisiert 21/01/2016 11:30 CET

Britischer Untersuchungsbericht: Putin hat den Mord an Litwinenko vermutlich gebilligt

dpa

Es ist eine krasse Aussage: Der Kreml-Kritiker Alexander Litwinenko wurde einem Untersuchungsbericht zufolge wahrscheinlich mit Zustimmung des russischen Präsidenten Wladimir Putin ermordet. Den Giftmord habe wahrscheinlich der russische Geheimdienst FSB in Auftrag gegeben, schrieb Richter Robert Owen, der die gerichtliche Untersuchung des Falls in London leitete, in seinem am Donnerstag veröffentlichen Abschlussbericht.

Die Tat sei "wahrscheinlich gutgeheißen worden" - vom damaligen FSB-Chef Nikolai Patruschew "und auch von Präsident Putin", schrieb Owen. Die gerichtliche Untersuchung ist nicht mit einem Prozess gleichzusetzen und hat keine direkten strafrechtliche Konsequenzen.

Der Bericht nennt auch zwei potenzielle Täter. Die beiden Männer namens Dmitri Kowtun und Andrej Lugowoi sollen Litwinenko bei einem Treffen seinen Tee vergiftet haben. Sie hätten jedoch "im Auftrag von Anderen" gehandelt, heißt es weiter. Der ehemalige KGB-Agent und Personenschützer Lugowoi sitzt mittlerweile im russischen Parlament. Die britische Staatsanwaltschaft hatte bereits 2007 ein Strafverfahren wegen Mordes gegen ihn eingeleitet, Moskau verweigerte damals die Auslieferung.

Der Hintergrund: Litwinenko, ein früherer russischer Agent, war im November 2006 mit 43 Jahren in London an einer Vergiftung mit radioaktivem Polonium 210 gestorben. Er gehörte zu den schärfsten Kritikern der russischen Regierung. Kurz vor seinem Tod beschuldigte er Präsident Wladimir Putin, den Mord in Auftrag gegeben zu haben.

Owens Bericht ist diplomatisch heikel. Die britische Regierung wollte verhindern, dass der Fall öffentlich wieder aufgerollt wird, doch Litwinenkos Witwe Marina setzte sich vor Gericht durch.

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