POLITIK
20/01/2016 07:42 CET | Aktualisiert 20/01/2016 15:30 CET

"Er darf nicht mit Mord davonkommen": Ein mysteriöser Fall könnte Putins politisches Ende bedeuten

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Der russische Präsident Wladimir Putin beim G20-Gipfel in der Türkei

Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein. Ein zehn Jahre lang zurückliegender Mordfall könnte zu diplomatischen Spannungen zwischen Russland und dem Westen führen - und eventuell die in diesem Monat beginnenden Friedensverhandlungen für Syrien platzen lassen.

Es geht um den Mord am ehemaligen KGB-Agenten Alexander Litvinenko. Am Donnerstag wird in Großbritannien ein abschließender Untersuchungsbericht zu dem Vorfall veröffentlicht. Litvinenko war ein ehemaliger russischer Agent, der zum Putin-Kritiker wurde und ins Ausland floh.

Den Hintergrund des Falls seht ihr im Video (der Text geht unter dem Video weiter):

Die russische Regierung bezeichnete die Vorwürfe, dass der Kreml hinter dem Mord steckt als "lächerlich". Eine Zusammenarbeit mit der Untersuchungskommission wurde abgelehnt. Eine Befragung oder gar eine Auslieferung der Verdächtigen an Großbritannien kam nicht in Frage.

Die Briten sehen diesen Anschlag als einen Angriff auf ihr Land. Zum Zeitpunkt seines Todes arbeitete Litvinenko als Berater für den britischen Geheimdienst MI6 und besaß die britische Staatsbürgerschaft. Da das Gift sehr langsam wirkt, vergingen mehrere Wochen bis zu seinem Tod. Auf dem Sterbebett teilte Litvinenko Ermittlern mit, dass er davon ausgeht, dass der russische Präsident seinen Tod angeordnet habe. Als Grund gab er an, dass er von Verwicklungen Putins mit der russischen Mafia wisse.

Allgemein wird davon ausgegangen, dass der Bericht genau dies bestätigen wird. Spekuliert wird nur noch darüber, ob die Kommission nur den beiden Agenten die Schuld geben wird, der russischen Regierung oder sogar Wladimir Putin persönlich. Eines ist sicher: Wenn Russland darin verwickelt ist, bedeutet das, dass Putin darin verwickelt ist. Schließlich hatte er damals das Amt des Präsidenten inne und war zuvor Chef des Inlandsgeheimdienstes FSB gewesen.

Der Bericht wurde gestern bereits David Cameron vorgelegt. Wie soll Großbritannien reagieren? Sollen die Briten Realpolitik machen oder Gerechtigkeit verlangen? Der "Telegraph" forderte gestern in einem Kommentar "Großbritannien darf Putin nicht mit Mord davonkommen lassen". Britische Diplomaten sollen Cameron bereits darauf drängen, Zurückhaltung gegenüber Russland zu zeigen. Sie befürchten, dass Cameron auf verschärfte Sanktionen gegenüber Russland drängen könnte, wenn der Bericht zu dem Schluss kommt, dass das Attentat vom russischen Staat ausging.

Diese Enthüllungen kommen mit einem schlechten Timing. Denn eine harsche Reaktion Großbritanniens könnte wiederum die Friedensverhandlungen um Syrien scheitern lassen. Eigentlich möchten sich die westlichen Staaten mit dem russischen Präsidenten auf eine Friedenslösung für Syrien einigen.

Auch ohne Enthüllungen über den Mordkomplott sind die Verhandlungen schwierig. Heute wollen die Außenminister der USA und Russlands bei einem Treffen in der Schweiz die Vorbereitung der Gespräche über eine Friedenslösung für Syrien erörtern. Wie aus diplomatischen Kreisen verlautete, wollen sich die Minister am Flughafen von Zürich treffen. Ob der für den 25. Januar geplante Start für Friedensgespräche gehalten werden kann, ist nach Darstellung des US-Außenministeriums fraglich.

Egal, wie der Bericht ausfällt. Eine Reaktion werden die Briten zeigen müssen. Und sie wird Putin nicht gefallen.

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