WDR-Journalistin zur Flüchtlingskrise: "Sind angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen"

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Schwere Vorwürfe gegen den Westdeutschen Rundfunk (WDR): Journalisten des öffentlich-rechtlichen Senders sollen angeblich dazu angehalten worden sein, positiv über Flüchtlinge und die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu berichten.

"Wir sind natürlich angewiesen, pro Regierung zu berichten", sagte die WDR-Journalistin Claudia Zimmermann in einer Diskussionsrunde des niederländischen Radioprogramms "De Stemming" auf dem Sender L1.

Das berichten übereinstimmend die holländische Zeitung "Telegraaf" und der Berliner "Tagesspiegel". In dem Radiotalk diskutierte Zimmermann über die Vorgänge in Köln an Silvester und die Stimmung in Deutschland mit.

Claudia Zimmermann, die für das WDR-Studio in Aachen arbeitet, sagte dem "Tagesspiegel" zufolge auf die Frage des Moderators, ob sie im WDR positiv über Flüchtlinge berichten musste: "Wir sind öffentlich-rechtlicher Rundfunk und darum angehalten, das Problem in einer mehr positiven Art anzugehen. Das beginnt mit der Willkommenskultur von Merkel bis zu dem Augenblick, als die Stimmung kippte und es mehr kritische Stimmen im Rundfunk und auch von der Politik gab."

Die Anweisung geht, wie der "Tagesspiegel" berichtet, laut Zimmermann von mehreren für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zuständigen Ausschüssen aus. Der öffentlich-rechtliche Rundfunk mit seiner Gebührenfinanzierung sei so ausgerichtet, eher in Richtung Regierung und nicht aus Oppositionssicht zu berichten, wird die Journalistin im "Tagesspiegel" zitiert.

Man sei ein öffentlich-rechtlicher Sender, der mit Steuergeldern bezahlt werde, zitiert sie auch der "Telegraaf". Das von der CSU monierte Schweigekartell der öffentlich-rechtlichen Sender gebe es hingegen nicht, sagte Zimmermann laut "Tagesspiegel". "Das kann man so nicht sagen", erklärte sie während der Radio-Diskussion.

Zimmermann war für die "Huffington Post" nicht zu erreichen. Die Pressestelle des WDR ließ eine Anfrage der "Huffington Post" zunächst unbeantwortet.

Update, Montag, 18.1, Nachmittag:
Nach einem Gespräch mit dem Sender erklärte Claudia Zimmermann nach WDR-Angaben am Montagnachmittag: "Ich habe an dieser Stelle Unsinn geredet. Unter dem Druck der Live-Situation in der Talkrunde habe ich totalen Quatsch verzapft. Mir ist das ungeheuer peinlich. Denn ich bin niemals als freie Journalistin aufgefordert worden, tendenziös zu berichten oder einen Bericht in eine bestimmte Richtung zuzuspitzen."

Auch der Sender widerspricht der Live-Aussage Zimmermanns in einer Pressemitteilung: "Der WDR steht für einen ausgewogenen und unabhängigen Journalismus. Unser breit aufgestelltes Programm zeigt besonders in diesen Tagen, wie umfangreich, unabhängig, kritisch und differenziert wir über die Flüchtlingsproblematik berichten."

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