POLITIK
19/01/2016 17:36 CET | Aktualisiert 19/01/2016 17:38 CET

Muslime luden Nazis zum Abendessen ein - das passierte

dpa

Die English Defence League (EDL) gilt als eine der rechtsextremsten Parteien in Europa. Sie entwickelte sich in Großbritannien vor einigen Jahren aus der britischen Hooligan-Szene. Ihre Mitglieder fallen regelmäßig durch gewalttätige Proteste auf. In Deutschland wäre die EDL am ehesten mit der NPD vergleichbar.

Als eine Gruppe von Muslimen erfuhr, dass die EDL einen Protestmarsch in der Kleinstadt Preston in Nordengland plante, kamen sie auf eine ziemlich ungewöhnliche Idee: sie luden die Nazis zum Abendessen ein.

Dort herrscht die Scharia

Nadeem Ashfaq, der Gründer der gemeinnützigen Organisation "The Light Foundation" kündigte an, dass er mit der Gruppe gerne über deren Behauptungen sprechen wolle, Preston werde „immer mehr zu einer Scharia-Stadt“.

Im Gespräch mit der britischen Ausgabe der Huffington Post sagte Ashfaq: „Die EDL behauptet, dass im Stadtteil Deepdale in Preston „immer mehr die Scharia herrsche“ und dass Muslime dort versuchen würden, andere Muslime zu radikalisieren.

Außerdem gäbe es dort gewisse Bereiche, in die Nicht-Muslime nicht gehen könnten. Ashfaq antwortet darauf: "Das stimmt überhaupt nicht, denn in der St George’s Road im Zentrum von Deepdale finden regelmäßig Treffen für interreligiöse Dialoge statt. Dort versammeln sich Muslime und Nicht-Muslime und sprechen über die verschiedensten Themen.“

„Dass Deepdale eine No-go-Area hat, ist eine absurde Lüge“, sagt er.

Es gibt hier keine No-go-Areas

„Wir haben zur EDL gesagt: Schaut mal, setzen wir uns doch zusammen und sprechen über diese Probleme. Und lasst uns das bei einem gemeinsamen Essen tun. Wir hören uns eure Bedenken gerne an. Wir wollen euch zuhören und vielleicht hört ihr uns dann auch zu und glaubt uns, dass es die Wahrheit ist, wenn wir sagen, dass es in Preston keine No-go-Areas gibt.“

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Arfan Iqbal (links) und Nadeem Ashfaq von der Stiftung The Light Foundation organisieren interreligiöse Veranstaltungen in Preston

Und weiter: „Wir respektieren sie und betrachten sie als VIP-Gäste. Wir würden für ihren Schutz und ihre Sicherheit sorgen. Alles was wir wollen ist, dass sie ihre Parteiführung bitten, zu einem Treffen zu uns zu kommen, bei dem wir die Probleme besprechen können. Wenn sie zum Beispiel Fragen oder Befürchtungen im Bezug auf den Islam oder auf Muslime haben, über die sie sprechen wollen, bieten wir ihnen eine Anlaufstelle in der muslimischen Gemeinschaft.“

Die Stiftung hält bereits jeden Monat interreligiöse Veranstaltungen in Preston ab, in denen die lokale Bevölkerung (einschließlich Nicht-Muslimen und erst kürzlich Konvertierten) mehr über den Islam erfahren und sich gegenseitig kennenlernen können.

Eine andere Aktion hatte mehr Erfolg

Aber die Nazis in England scheint das nicht zu interessieren. Angenommen hat die EDL die Einladung bisher nicht. Immerhin denken die Parteikader laut Informationen der EDL darüber nach. Aber die Reaktion spricht nicht dafür, dass die Rechten an einer Diskussion interessiert sind - denn die könnte ja noch die eigenen Vorurteile zerstören.

Es ist aber nicht das erste Mal, dass eine muslimische Gruppe auf Kritik von der EDL mit Gastfreundschaft reagiert. 2013 erhielt eine Moschee in York viel Anerkennung, weil sie Unterstützern der EDL, die vor ihrem Gotteshaus demonstrierten, Tee und Gebäck angeboten hatte. Sie luden die Demonstranten sogar zu einem gemeinsamen Fußballspiel ein.

Damals war die Einladung erfolgreich. Die EDL-Mitglieder diskutierten in der Moschee und am Ende kamen beide Seite zu dem Ergebnis, dass in England kein Platz für Terrorismus und einen radikalen Islam sei. Immerhin - ein erster Schritt, um Vorurteile abzubauen.

Dieser Text erschien ursprünglich bei der Huffington Post UK und wurde von Susanne Raupach aus dem Englischen übersetzt.

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