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19/01/2016 21:37 CET | Aktualisiert 20/01/2016 16:20 CET

Er schmuggelte sich in eine Flüchtlingsunterkunft – und hat Schreckliches zu berichten

dpa

Der deutsche Terrorismusexperte Shams Ul-Haq hat pakistanische Wurzeln – so konnte er sich unbemerkt in mehrere Flüchtlingsunterkünfte schmuggeln. Er wollte wissen: Wie wird man dort als Flüchtling behandelt? Im Gespräch mit "Focus Online" berichtet Ul-Haq von den Zuständen in verschiedenen Unterkünften, unter anderem in der Türkei, der Schweiz und in Deutschland.

In einer Schweizer Unterkunft traf Ul-Haq auf gewalttätiges Sicherheitspersonal. Dort hätte er selbst erlebt, wie Flüchtlinge von Sicherheitspersonal angeschrien und geschlagen worden seien. Ein Beamter vor Ort habe ihm bestätigt, dass dies normal sei. In einem Fall sei ein Flüchtling sogar krankenhausreif geschlagen worden. Ein afghanisches Mädchen habe ihm außerdem von einem Extra-Raum erzählt, in dem Sicherheitsleute Flüchtlinge brachten, um sie zu verprügeln.

Die Lebensumstände dort seien generell sehr schlecht gewesen. "Nachts mussten wir in einem Kriegsbunker schlafen und durften nichts essen oder trinken." Auch eine Dusche habe gefehlt, lediglich ein Waschbecken sei zur Verfügung gestanden, um sich frisch zu machen. "Das war wirklich schlimm", meint der Experte. Trotdzem sei der Standard in der Schweiz und Deutschland immer noch viel besser als beispielsweise in Unterkünften in der Türkei.

Tagsüber quält die Flüchtlinge Langeweile – und böse Gerüchte. Einige Bewohner hätten zum Beispiel geglaubt, dass das Verfahren mit Absicht in die Länge gezogen würde und dass der Staat an den Flüchtlingen verdienen würde. Religiöse Fanatiker hätten außerdem behauptet, die Schweizer würden ihnen nur helfen, um ihre Kinder später fürs Christentum zu gewinnen. In Deutschland seien die Unterhaltungs- und Integrationsprogramme wesentlich besser als bei unseren Nachbarn. Dort gäbe es beispielsweise Praktika-Angebote und Gebetsräume. Letzteres sei für viele Flüchtlinge besonders wichtig.

Etwas sei in allen Ländern relativ gleich: Der raue Ton der Sicherheitsleute. Es gäbe zwar Ausnahmen, aber die meisten seien eben nicht dafür ausgebildet, mit Menschen umzugehen. "In (der Schweizer Unterkunft) wurde ich gerufen wie ein Hund - nur mit Zischlaut", erzählt der Terrorismusexperte. Außerdem hätte er gehört, wie mehrere Grenzpolizisten in seiner Anwesenheit schlecht über ihn redeten - im Unwissen darüber, dass er Deutsch verstand. „Ach du scheiße, noch so einer“, habe ein Beamter gesagt. Der andere daraufhin: "Komm, schicken wir ihn zum Flughafen zum Asylverfahren. Dann wird er schnell abgeschoben."

Ul-Haq berichtet auch von ehemaligen IS-Kämpfern in den Unterkünften. "Einige haben sich vom Islamischen Staat abgewendet und suchen nun selbst Schutz vor den Milizen, aber manche tragen auch ihr islamistisches Gedankengut hierher", sagt der Experte dazu. "Wenn von Tausenden Flüchtlingen nur ein Zehntel den Islamisten folgt, reicht das für die Brandstifter aller Couleur, einen Bürgerkrieg vom Zaun zu brechen". Deshalb fordert er nicht nur bessere Bedingungen in den Unterkünften, sondern auch eine stärkere Überwachung ihrer Bewohner.

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