POLITIK
19/01/2016 04:23 CET | Aktualisiert 19/01/2016 06:25 CET

"Hart aber fair" zum "Lügenpresse"-Vorwurf: Gauland giftet gegen Reschke

WDR
Der AfD-Politiker Alexander Gauland bei "Hart aber fair"

Ganz neutral war Frank Plasberg in dieser Sendung nicht. Nach seiner vorigen Show zu den sexuellen Übergriffen in Köln an Silvester sei die Redaktion von Zuschauerkritik an öffentlich-rechtlichen Medien überrollt worden, sagte der Moderator. Zudem seien die aktuellen Umfrageergebnisse zur Glaubwürdigkeit des Fernsehens eine "Vollklatsche für Journalisten". Gibt es in Deutschland also eine "Lügenpresse"? Das sollte in dieser Sendung mit dem Titel "Frisierte Berichte, bevormundete Bürger – darf man bei uns noch alles sagen?" diskutiert werden.

Das waren die wichtigsten Aussagen der Gäste:

Alexander Gauland, stellvertretender Vorsitzender der AfD: "Lügenpresse-Begriff ist das Empfinden vieler Menschen"

Gauland versuchte, den Begriff der "Lügenpresse" zu rechtfertigen, allerdings ohne sich mit ihm zu identifizieren. Er sagte, dieser sei "überspitzt". "Aber er ist das Empfinden vieler Menschen“, fügte der AfD-Politiker hinzu. Gauland äußerte, er glaube nicht, dass Sendern von der Regierung Vorschriften gemacht würden, aber dass viele Journalisten in öffentlich-rechtlichen Sendern "eine Schere im Kopf" hätten.

Hitzig wurde die Debatte, als er für die Presse auch noch den Begriffe "Reschke-Fernsehen" einführen wollte. "Ich habe das mal, entschuldigen Sie gnädige Frau, Reschke-Fernsehen genannt. Wir sollen alle erzogen werden, sollen alles gut und richtig finden. Frau Reschke war für mich eine Symbolfigur dafür!“, sagte Gauland.

Reschke fand das nicht witzig: "Mir war gar nicht bewusst, dass ich für die gesamte deutsche Fernseh-Landschaft stehe", sagte sie. "Welche falsche Propaganda unterstellen Sie mir?“

Doch Gauland blieb bei seiner Meinung. "Ich habe Ihnen keine Lüge unterstellt. Ich habe Ihnen eine grundsätzliche Haltung unterstellt, die sagt, das, was Frau Merkel gesagt hat, ist richtig!"

Anja Reschke, Moderatorin des ARD-Politik-Magazins "Panorama": " "Differenzierte Berichterstattung will keiner hören"

Reschke entgegnete Gauland, sie könne ein Unterschlagen kritischer Stimmen in der Berichterstattung nicht erkennen. Die beliebte Moderatorin hatte mit einem Kommentar gegen Internet-Hetze in den "Tagesthemen" im August letzten Jahres auf sich aufmerksam gemacht.

Allerdings sei eine ausgeglichene Berichterstattung in der hitzigen Stimmung schwer geworden. "Differenzierte Berichterstattung wird extrem schwer – weil die auch einfach keiner hören möchte", sagte die Moderatorin. "Wir beschäftigen uns seit August in der Flüchtlingsdebatte mit Schwarz und Weiß. Aber es ist Grau! Und wir müssen über das Grau reden“, so Reschke.

Katrin Göring-Eckardt, Fraktionsvorsitzende der Grünen: "Sarrazin konnte sich auf allen Sendern verbreiten"

Auch die Grüne wollte den Vorwurf nicht gelten lassen, dass die Medien Probleme der Flüchtlingskrise ausblendeten und Kritiker nicht zu Wort kommen ließen. "Außer, dass Journalisten von Pegida-Demonstrationen vertrieben werden." Dann seien sie natürlich nicht mehr neutral. Sie erinnerte an die Diskussion über den umstrittenen Buchautor und Politiker Sarrazin: "Sarrazin konnte sich auf allen Sendern verbreiten."

Claus Strunz, Sat.1-Kommentator: "Lügenpresse ist ein ekelhaftes Etikett"

Strunz wehrte sich gegen den Begriff "Lügenpresse". Denn mit dem Wort werde nicht die Arbeit einzelner Journalisten bewertet, sondern der Beruf mit einem "ekelhaften Etikett" verunglimpft. Gauland warf er vor: "Das ist das, was die AfD macht."

Er sagte aber gleichzeitig, dass die Berichterstattung über die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht in Köln "ein Wendepunkt in der Wahrnehmung" gewesen seien. Denn die öffentlich-rechtlichen Sender hätten erst drei Tage danach berichtet. "Spät und unpräzise – das hat den Eindruck erzeugt, es solle etwas verschwiegen werden."

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