POLITIK
17/01/2016 22:42 CET | Aktualisiert 17/01/2016 23:04 CET

Verdächtigen wurde offenbar ihre Liebe zum Fußball zum Verhängnis - Neue Erkenntnisse zur Düsseldorfer Großrazzia

dpa

Es sollte eine Demonstration der Stärke sein. Was mussten sich die Polizeibehörden in Nordrhein-Westfalen und allen voran ihr Chef, Nordrhein-Westfalens Landesinnenminister Ralf Jäger, in den vergangenen Tagen nicht alles anhören. Von einem katastrophalen Polizeieinsatz und sogar "Staatsversagen" war nach den massenhaften Sex-Übergriffen von Köln in diversen Blättern im In- und Ausland zu lesen.

Kein Wunder also, so scheint es, dass die Sicherheitsbehörden an Rhein und Ruhr im Moment offenbar keine Gelegenheit auslassen, ihre Handlungsfähigkeit zu zeigen. Mit gut 300 Mann war die Polizei am frühen Samstagabend in das sogenannte "Maghreb-Viertel" mitten am Düsseldorfer Hauptbahnhof eingerückt. Sechs Straßen sperrten die Beamten ab 17.30 Uhr in der Nähe des Hauptbahnhofs und begannen mit einer Razzia, die sechs Stunden lang dauerte.

Auch gestohlene Handys gefunden

Die Polizisten durchkämmten 18 Cafés, Shisha-Bars sowie Spielcasinos und überprüften die Papiere von rund 300 Personen - zum Großteil nordafrikanischer Herkunft. 38 Männer wurden nach Polizeiangaben wegen des Verdachts eines illegalen Aufenthalts festgenommen.

Zudem gab es bislang sieben Strafanzeigen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz und jeweils eine Anzeige wegen Diebstahls, Betrugs und eines möglichen Verstoßes gegen das Waffengesetz. Die Polizei fand auch sechs gestohlene Mobiltelefone.

Offenbar wollten sich die Ermittler nicht zuletzt ein Bild von der dortigen Szene machen. Zudem konnte die Polizei so zahlreiche Fingerabdrücke mutmaßlicher Straftäter erfassen. Der ganz große Schlag gegen die im Viertel offenbar ansässigen nordafrikanischen Straftäter-Banden scheint den Ermittlern nach den ersten Auswertungen aber Beobachtern zufolge offenbar nicht gelungen.

Eine PR-Maßnahme der Polizei?

Die linksalternative "taz“ schrieb sogar, es habe sich nur „angeblich um eine Razzia gegen Kleinkriminelle gehandelt“. Kein Dieb sei festgenommen worden.

Und auch die konservative Zeitung “Die Welt“ konstatierte, es sei „auffällig, wie sich die Polizei gerade nach dem Desaster in der Domstadt landesweit bemüht, den Eindruck eines durchsetzungsstarken Staates zu vermitteln“.

Doch zumindest die Uhrzeit des Zugriffs am Samstag wurde von der Polizei keineswegs zufällig gewählt, wie die "Bild"-Zeitung berichtet. Als die Razzia um 17.30 Uhr begann, sollen gerade die Top-Spiele der algerischen Fußball-Liga in einigen Lokalen gezeigt worden sein.

Polizei: Razzia schon lange geplant

Die Aktion war nach Angaben der Düsseldorfer Polizei bereits seit vergangenem Jahr geplant. Es gehe darum, Einblicke "in die Strukturen der Verdächtigen, über ihre Gewohnheiten, Aufenthaltsorte und Unterkünfte" zu bekommen, erklärte der Einsatzleiter der Düsseldorfer Polizei, Frank Kubicki. Wie Köln hat auch Düsseldorf seit Längerem ein Problem mit Straftätern aus dem nordafrikanischen Raum.

Kubicki sagte zugleich, Anlass für die Großrazzia seien nicht die Vorkommnisse in der Silvesternacht gewesen. "Gleichwohl rechnen wir mit Erkenntnissen, die die Ermittlungen vorantreiben könnten."

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