POLITIK
17/01/2016 18:39 CET | Aktualisiert 17/01/2016 18:42 CET

Wie Obdachlose in der Flüchtlingskrise missbraucht werden

ASSOCIATED PRESS
Ein obdachloser Mann sitzt in der Kältenotschlafstelle der Evangelischen Stadtmission Berlin zwischen Schlafenden. (AP Photo/Markus Schreiber)

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in einer Diskussion über die Flüchtlingspolitik auch die Versorgung der Obdachlosen in Deutschland erwähnt wird: "Die Flüchtlinge bekommen alles und denen hilft keiner!"

Die Tatsache, dass Flüchtlinge kostenlos in Unterkünften wohnen dürfen, während Deutsche ohne Wohnung auf der Straße schlafen, schürt den Hass unter Flüchtlingsgegnern. Wer sonst nie Sympathie für die Zurückgelassenen der Gesellschaft empfand, findet in ihnen auf einmal einen nützlichen, wenn auch ungefragten Verbündeten.

Fakt ist aber: Sowohl Obdachlosen wie auch Flüchtlingen muss geholfen werden.

Gerade im Winter brauchen bei den Minusgraden alle Menschen warmes Essen und eine Unterkunft.

Mitarbeiter in Obdachlosenhilfen sprechen nun davon, dass ihnen ehrenamtliche Helfer fehlen, weil sich aktuell mehr Menschen in der Flüchtlingshilfe engagieren. Trotzdem kann es nicht sein, dass die Hilfe für Wohnungslose nur in den Fokus gerückt wird, weil dadurch anderen Bedürftigen der Anspruch auf Hilfe abgesprochen werden soll .

Die Hilfsbedürftigkeit von Wohnungslosen soll in der Flüchtlingsdebatte nicht relativiert werden.

Genauso wenig, wie ein Dialog über die sexuellen Übergriffe deutscher Täter die Übergriffe auf Frauen in Köln relativieren soll.

Aber beide Situationen zeigen, dass bisher vernachlässigte Probleme in Deutschland nur dann gehört werden, wenn damit Stimmung gegen Flüchtlinge gemacht werden kann. Die Obdachlosen selbst werden so zum Spielball im politischen Diskurs, ohne dass ihnen dadurch geholfen wird.

Doch wie sieht es abseits der politischen Diskussionen mit der Hilfsbereitschaft der Menschen gegenüber Obdachlosen aus?

Wir haben Menschen in München gefragt, ob sie bereit sind, Obdachlosen zu helfen, wenn sie die Möglichkeit hätten:

Würden Sie einen Obdachlosen bei sich zu Hause aufnehmen?

Circa die Hälfte der Befragten gab an, dass sie bereit wären, einen Obdachlosen bei sich aufzunehmen, wenn sie genug Platz hätten. Die andere Hälfte lehnte die Hilfe für Obdachlose ab - aber nicht etwa, weil sie lieber Flüchtlinge bei sich aufnehmen wollten, sondern, weil sie generell Bedenken hatten, mit einem Fremden die Wohnung zu teilen.

Unsere Umfrage zeigt: Weder Hilfsbedürftigkeit noch Hilfsbereitschaft enden bei der eigenen Nationalität.

Afd und Pegida sollten aufhören, Flüchtlinge als Hilfebedürftige zweiter Klasse darzustellen. Genauso wenig sollten sie Obdachlose nur dann beachten, wenn sich damit ideologische Gewinne einfahren lassen. Denn damit ist keinem geholfen.

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